Ich bin kein Fan von Michael K. und Dlisted, aber hier spricht er mir aus der Seele, zum geplanten Melrose Place-Remake:
"If Sydney came back from the dead and strolled into Melrose Place with Amanda Woodward on one arm and Kimberly Shaw on the other, this fuckery might have a chance."
Es gibt eine Filmproduktionsfirma, deren Output ich seit einiger Zeit genau verfolge. Killer Films waren nicht nur verantwortlich für Todd Haynes Filme "Velvet Goldmine" und "Far from Heaven" sondern auch für "Boys don´t cry", "Hedwig and the angry Inch", "A Home at the End of the World", "Party Monster" und "Savage Grace", um nur einige wenige zu nennen. Sie haben keine Angst vor schwuler Thematik, das war das erste, was sie mir sympathisch machte und desweiteren haben sie sich die Rechte an "The Secret Life of the Lonely Doll" gesichert, der unter der Regie von Julian Schnabel entstehen soll; für die Rollen von Edie und Dare Wright waren Jessica Lange und Naomi Watts im Gespräch - den aktuellen Stand kenne ich allerdings nicht, das Projekt ist "in development". Aber neben "Savage Grace" auch noch mein zweites Lieblingsbuch des letzten Jahres im Ärmel zu haben - Sie können mein Interesse nachvollziehen.
Die Geschichte von "An American Crime" hörte sich spannend an: basierend auf einem wahren Fall erzählt er die Geschichte zweier Teenager in den Mittsechzigern, die in eine Pflegefamilie aufgenommen werden, wo alles mit einem mal sehr sehr schief geht. Ich weiß nicht, wie ich es am Besten formuliere - ich wünschte mir, ich hätte den Film nicht angeschaut. Nicht weil er schlecht wäre, sondern, weil er von einer Brutalität ist - emotional wie physisch - die weit über die Schmerzgrenze hinausgeht.
Müssen Sie jetzt selbst entscheiden, ob Sie sich das zumuten möchten. Denn nicht nur ist er entsetzlich brutal, sondern auch entsetzlich packend. Ich frage mich, wie Catherine Keener (für diese Rolle Golden Globe-nominiert) und Ellen Page a) die Dreharbeiten überstanden haben und b) wie sie langfristig darüber hinweg gekommen sind.
"Die wollen simple Geschichten. Mann erfährt, dass er sterben wird, driftet, schneidet sich Haare ab und setzt sich zum Schluss an den Strand."
Das muss nicht schlecht sein. Francois Ozon kann das. Um so gespannter war ich darauf, wie er mal einen Ausflug in ein ganz anderes Genre macht und ein Ausstattungsdrama inszeniert, einen altmodischen Bette Davis Film. Seine Antwort: er besetzt die Bette-Davis-Rolle mit einer Schauspielerin, die so versiert arbeitet, wie Amy Winehouse bei einem ihrer aktuellen Live-Auftritte. Obwohl "Angel" ein oder zwei hübsche Bilder hat, ist es geradezu qualvoll, dem bizarren Wesen mit dem Namen Romola Garai dabei zuzuschauen, wie es laut und unwirsch eine fette Produktion zu Grabe trägt. Deshalb störten auch die SMSse nicht, die Herr Strike mir währenddessen schickte.
"Shirly MacLaine ist gleich bei Beckmann."
"Hat ihr Hund wieder ein Buch geschrieben?"
"Nein, er hat auf den Jakobsweg gekackt."
Ein weiteres Indiz für die Qualität der Produktion hätte die Besetzung einer der tragenden Rollen mit dem australischen Chargen Sam Neill sein können, der immer dann zum Zuge kommt, wenn ein richtiger Schauspieler zu teuer wäre. Und selbst zu Charlotte Rampling fiel mir nichts anderes ein, als dass man sicherlich auch würdevoll altern kann, wenn man sich die Schlupflieder wegoperieren lässt. Manchmal ist es wirklich besser, sich vor dem Filmkauf den Trailer anzuschauen, denn dann wäre ich wohl vorgewarnt gewesen.
Vorgewarnt, aber nicht vollständig abgeschreckt. Das Beste, was Ozon in "Angel" präsentiert ist der Arsch des männlichen Hauptdarstellers Michael Fassbender, der nach unten in wohlgeformte Schenkel mündet, nach oben hin von einem prachtvoll definierten Rücken geziert wird, auf dem ein hübscher Kopf befestigt ist. 5 Sekunden. Nach Betrachten von "Angel" kann ich ihnen jedoch vesichern, dass Sie mit den 120 Minuten, die dieses Werk sich hinzieht, wirklich etwas Besseres anfangen können. Einen schönen Herbstspaziergang. Oder das Buch von Shirley MacLaines Hund lesen. Sex mit Fremden oder Bekannten geht auch immer. Sogar Das Tal der Puppen könnte man sich anschauen und wäre beser unterhalten.
Sehen Sie Lauren Bacall in "Applause", dem Musical, das auf "All about Eve" basiert. Nicht singen zu können und es trotzdem zu tun finde ich ja bekanntlich grandios. Aber noch einen drauf zu setzen - nicht TANZEN zu können und es trotzdem zu tun, das ist unschlagbar, das ist simply fantastic. That´s bombastic, that´s DISCO!!!!
Es gibt nicht viele von diesen Filmen, die so schlecht sind, dass man gar nicht wegschauen kann. Eine dieser Perlen ist bis heute nicht auf VHS oder DVD erschienen, so dass ich nur eine gothische Erinnerung an die beiden Male hege, die ich Gelegenheit hatte, diesem Trainwreck zuzuschauen. Immerhin war der Eindruck stark genug, um eine lebenslange Abneigung gegen Kim Novak zu entwickeln, eine der schlechtesten Hollywood-Blondinen aller Zeiten, und kommt mir jetzt nicht mit "Vertigo", denn selbst da spielt sie unerträglich überzogen. Jede andere Hitchcock-Blondine hätte der Rolle mehr Leben eingehaucht - stellt es Euch gedankenexperimentell einfach mal vor.
"The Legend of Lylah Clare" nun erzählt eigentlich einen Fall von Hollywood Gothika wie ich ihn lieben würde. Elsa Brinkmann, eine Tussi, weist große Ähnlichkeit mit einer unter tragischen Umständen verstorbenen Hollywood-Königin (eben jene Titel-Lylah) auf und soll in einem Bio-Pic ihre Rolle spielen. Die psychotische Posse, die die wahre Lylah kannte und zum Star gemacht hatte, macht die arme Elsa ganz wuschig und sie verschmilzt immer mehr mit der seelenlosen, bösen* Lylah. Eine Geschichte, aus der Robert Aldrich ("Whatever happened to Baby Jane") sicherlich etwas hätte machen können. Warum also hat er nicht? Die Figuren sind aus Holz und besetzt mit Plastik. Eins geht nur. Kim Novak spielt so unglaublich schlecht, trägt so unglaubwürdige Haarteile, dass es eine Freude ist, ihr zuzuschauen. Aber den Film, der schon schwer unter der Last des hanebüchenen Drehbuchs leidet, bricht unter der Last ihrer Chargiererei vollständig zusammen. Man stellt sich die ganze Zeit die Frage, wie eine so hohle Nudel wie Lylah/Elsa/Kim jemals ein großer Star hätte sein können? Was für eine Welt wäre das dann? Man nimmt es ihr einfach nicht ab. Zu meiner großen Freude habe ich bei Youtube den Trailer gefunden. So können auch Sie sich drei Minuten dem Grusel der Fleischereifachangestellten hingeben, die immer nur eine ganz ganz billige Kopie Marilyns war und sich mit diesem Schocker ins filmische Nirvana katapultierte, aus dem sie glücklicherweise nur noch äußerst selten herauskurvt. Schauriges Vergnügen!
Und wer mir zuerst vom Erscheinen der DVD berichtet, der bekommt eine Schachtel Makkaroni with Cheese.
* zum Ende des Films erklärt sich ihre tiefe Verdorbenheit mit der Tatsache, dass sie lesbisch war. Man wird alt wie ne Kuh und lernt immer noch was dazu.
Mir gefallen vor allem Toms Haare! Und die Knutsch-Szene mit Eva Herman. Desweiteren bewundere ich den feinsinnigen Umgang mit einer so heiklen Phase internationaler Geschichte. Und, natürlich: BOMBEN-Soundtrack!!!
Das Fazit von "La vie en Rose" - ich kann jetzt eine ziemlich lustige Piaf-Parodie machen. Man muss den Kopf auf Brusthöhe senken, also so laufen, als ob man mit dem Scheitel sieht. Dann die Schultern senken, ganz stark zittern, aber immer noch behaupten, dass man nichts bereue, am Besten singend in französischer Sprache. (Für Perfektionisten - eine Perücke aus Pfannenreinigern basteln.) Und wenn man sich den Film auf Deutsch anschaut (keine französischen Untertitel, sonst hätte ich ihn gern im Original gesehen), hat er zur Folge, dass man der Piaf gerne mal eine knallen würde, für ihre dumme Sprechstimme und all den Müll, den sie plappert. Eine einzige Sequenz hat mich fasziniert, weil sie handwerklich gut gemacht ist. Edith wird morgens am Bett von ihrem Lover begrüßt, der aber eigentlich mit dem Flugzeug abgestürzt ist. Diese Nachricht versuchen ihre Angestellten ihr zu überbringen, aber Edith ist so beschäftig damit, nach ihrem Geschenk an ihn (Armbanduhr - doll!) zu suchen, dass niemand zu ihr durchdringt. Als man ihr endlich sagt, dass der Lover tot ist, folgt eine langer langer langerlangerlanger Nervenzusammenbruch von dem sie direkt (wenn ich mich nicht irre schnittlos) aus ihrem Schlafzimmer auf die Bühne tritt und zu singen anfängt.
Das unmotivierte Hin- und Herschnipseln zwischen Kindheit, Jugend, Karriere, Krankheit, Tod, war vermutlich notwendig, um ein wenig Verschnaufspause zu bieten, wenn die Dickensianische Kindheit des kleinen Spatzes episch ausgebreitet wird. Die wird in einer Art und Weise präsentiert, dass man nach jedem weiteren dramatischen Vorfall das ganze für eine PR-Erfindung und Lüge hält. Noch schmutziger, noch rauher und noch gemeiner als das Leben, selbst in Ausnahmefällen, ist
Vor ein paar Jahren habe ich einmal in eine ARTE-Doku gezappt, die schon zu Piafs Lebzeiten gedreht wurde, und einen viel authentischeren Einblick in diese Person bekommen. Und abschließend muss ich noch gestehen, dass ich die Piaf nie besonders mochte, von einigen wenigen Liedern abgesehen. Ihr Repertoire erschien mir schon als Kind totgesungen. Für mich war sie die französische Judy, nur in langweilig.
Ich hatte gehofft, wes würde nie wieder so weit kommen müssen, aber es ist geschehen. Ich habe mal wieder einen wirklich schlechten Film gesehen. Und daher rufe ich das Kapitel "Movies from Hell" zurück ins Leben.
Ich WUSSTE nichts über die Handlung. Ich las Spielberg, 150 Minuten, dann fiel mir ein, dass Meret Becker mitspielt und ich dachte, das wäre genau das richtige für einen grippigen Nachmittag. Böser Fehler. Ich dachte also, ich hätte mir einen Film über die Geiselnahme im Olympiadorf, München 1972 ausgeliehen. Falsch. In Spielbergs "München" geht es um einen attraktiven sympathischen Familienvater, dargestellt von dem reizenden verführerisch melancholischen Eric Bana, der von der reizenden Golda Meir (bei der es sich in Wirklichkeit um Mirandas Haushaltshilfe Magda aus "Sex and the City" handelte) überzeugt wird, die Drahtzieher des Attentats aus dem Weg zu räumen. In der Funktion eines Auftragskillers für das Gelobte Land. Er bekommt drei Agenten zur Seite gestellt: einen Schweizer Uhrmacher, den neuen James Bond, Roberto Benigni (oder wie diese schreckliche Knallcharge heißt) und einen deutschen Seriendarsteller. Zu viert nieten sie einen nach dem anderen um. Prinzip "neun kleine Palästinänser". Auch die Auftragskiller müssen Federn lassen, um die Handlung anzureichern. 150 Minuten später wird auch so etwas wie Reue inszeniert, oder doch zumindest das Gefühl vermittelt, dass der attraktive Eric Bana möglicherweise einen halben Gedanken daran verschwendet, ob er rechtens hinrichtete.
Dann ist der Film vorbei und man fragt sich, ob irgendjemand außer Spielberg so ein Machwerk finanziert bekommen hätte. Vergleichbares hätte höchstens Tom Cruise für Scientology gelingen können, aber vor seinem Rausschmiss. Die Frage der Todesstrafe wird nicht einmal gestellt, was natürlich okay ist, wenn man "Schindlers Liste" gedreht hat und "The Coloured People". Selbstjustiz, Verschwörung, Todesstrafe, Terrorismus - ein Themenkreis, den Spielberg wertbefreit in aasig-polierten Bildern serviert, keine Sekunde in Frage stellend, ob es rechtens ist, was das Killerkommando da tut.
Ein Szenenbeispiel: die schlauen Killer haben eine Telefonbombe gebastelt, die im Arbeitszimmer eines der Terroristen steht. Nimmt er ab, wird die Fernbedienung geschaltet. Doch dann kommt überraschend seine putzige Tochter ins Apartment, hört es klingeln, hoppla, denkt man - da fliegt gleich ein Kind in die Luft. Doch die smarten Attentäter sind nicht auf den Kopf gefallen und rufen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal an, als das Kind (in naher Zukunft Waisenkind) nicht mehr im Haus ist. Menschlich, oder? Alle (insbesondere auch die Zuschauer) sind furchtbar erleichtert, dass es nicht das Kind getroffen hat, sonder nur dessen Vater.
Wenn ich mal ganz ganz ehrlich mit mir selbst bin, dann muss ich gestehen, dass ich Selbstjustiz nachvollziehen kann. Mitunter sogar befürworten. Aber wenn der edle Gutmensch Steven Spielberg seinen Mantel des Segens darüber legt, in Gestalt eines noch dazu nicht besonders gut inszenierten Films, dann muss ich leider kotzen. Das wäre ein Film nach George Bushs Geschmack, wenn es nicht dauernd um Juden ginge. Und wenn ich das nächste Mal drei Minuten Meret Becker sehen will, dann leih ich mir lieber einen Film mit Tuva Novotny.
"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting."
Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".