Lessons in Glam

Freitag, 27. Juni 2008

YELLOW BELLIED ALLIGATOR oder PULL THE PLUG

Wenn mir ein Freund oder eine Freundin erzählt hätte, dass der Typ, mit dem er/sie sich trifft, am gleichen Tag noch ein anderes Date hatte, dann hätte ich natürlich empathisch geurteilt "was für ein Schwein!". Double-Dating Pfui Spucke! Spätestens seit "Sex and the City" weiß man ja aber, dass man keine Chance ungenutzt lassen sollte, dass man mit einem Date ja noch keinen festen Partner hat und die Phase der Evaluierung noch eine Weile anhält. Ich meine, wenn Charlotte York das macht - who am I? Also wachte ich auf, blies meinem überraschenden Übernachtungsgast einen, trank mit ihm Tee auf dem Balkon, freute mich an seinem Lachen - den schlohweißen Nichtraucherzähnen, und traf später am Tag, nachdem ich das Sperma aus den Haaren gewaschen hatte, mein eigentliches Donnerstagsdate. Da wo Investoren demnächst Bürohäuser zu bauen planen saßen wir auf einem Fleck Grün, der von einer Elektroparty noch recht zugemüllt war, was seine Idylle beeinträchtige (auch der Lärm der vorbeifahrenden Bahnen kratzte ein wenig an der Romantik) und sahen den vorbeifahrenden Schiffen zu. Wir gaben uns trockene Abrisse unserer respektiven Biografien. Dann erfuhr ich mehr über Media-Spree, als ich in all den Artikeln, die ich nicht gelesen hatte, hätte erfahren können. Manchmal, wenn ich etwas sagte, fiel mir mein Gegenüber ins Wort. Meine Taktik ist in solchen Fällen, meinen Gesprächsbeitrag zu Ende zu führen und dabei immer leiser zu werden, nicht lauter. In der Regel merkt das Gegenüber dann, was er tut. Nicht gestern. Eine Kollegin, die sonst ganz nett ist, fällt einem auch immer ins Wort. Ein Ex-Freund tat das auch sehr gerne und oft. Bei mir führt das zu kommunikativer Schismogenese. Also, das passiert zweimal und ich entferne mich innerlich, dreimal und ich beende das Gespräch.*

Vielleicht lag es an der Polle, die meine Nasenschleimhäute austrocknet. Vielleicht am Schlafmangel, weil das eher ein erotisches Doppel-Liege-Yoga gewesen war, als gesunder Schlaf. Vielleicht an der Atmosphäre. Ich bekam Kopfschmerzen. Nicht so komm-Alien-friss-meinGehirn-damit-es-mir-nicht-mehr-weh-tun-kann-Kopfschmerzen. Eher so fiepende Kopfschmerzen. Wie Welpen. Dann lass ich auf der Spreemauer schräg gegenüber den Rat "Pull the Plug". Kaum dass ich im Auto saß, waren die Kopfschmerzen jedenfalls verschwunden. Dann fuhr ich heim und spülte Gläser und lächelte das Prilwasser an.

*Ich habe diesem Gesprächsphänomen sogar mal ein Lied gewidmet, die amerikanische Nachbarin hat´s gesungen, es hieß "Let me speak my mind". Das geh ich jetzt mal suchen versehe ich jetzt mal mit random photos lade ich gerade mal bei youtube hoch können Sie sich hier anhören und gleichzeitig noch ein paar Bilder aus meinem Fotoalbum betrachten.

Mittwoch, 25. Juni 2008

IT´S ALL ABOUT GLAM

"Weißt Du wie Du aussiehst?"
Oh mein Gott. Grenzüberschreitung. Ich bin ungeschminkt, es ist vormittag, ich habe eine OP hinter mir. Der knuffige türkische Zigarettenverkäufer legt unaufgefordert meine Zigaretten auf den Verkaufstresen. Wie ich aussehe? Wie Kurt Cobain nachher??
"Dein Style und so?"
"Äh - nö?"
"Der "Fluch der Karibik"-Film, dieser Käptn."
"Jack?"
"Ja Mann, Jack Sparrow!"
"Danke. Damit kann ich in den Tag starten." (Er hat "Du" gesagt. Er hat "Du" gesagt! Er meinte NICHT Keith Richards. Er meinte NICHT Keith Richards.)

Wir lernen: mit dem Kajal verhält es sich wie mit dem Blondsein. Es ist keine Frage der Haarfarbe, bzw ob man ihn gerade trägt. Einmal Kurt-Jack, immer Kurt-Jack.

Desweiteren. Habe ich mir vorgenommen. Es auszusprechen. Und es mit Stolz zu tragen. Ja, ich bin seit drei Wochen 40. Four Oh!
"Wie fühlt man sich denn da so?" wollte die Porno-Queen von mir wissen, die nächstes Jahr an der Reihe ist.
"Schrecklich. Ganz ganz schrecklich."
"Na - solang man 15 Jahre jünger aussieht..."
Das war vielleicht das schönste Geburtstagsgeschenk. Neben dem Polarfuchskragen. Und dem Kajak. Und den Gästen. Und und und.
Ich werde zu den 40er gehören, bei denen es stimmt. 40 is the new 20. Ich werde mir nicht von einer Zahl aufoktroyieren lassen, wie ich mich zu benehmen habe und was ich mir anziehen darf. Next film on my viewing list: "All about Eve". Und "Sex and the City" habe ich auch immer noch nicht gesehen.

Sonntag, 22. Juni 2008

ICH WEISS, WAS ICH MIR HEUTE ABEND ANSCHAUE

Freitag, 13. Juni 2008

THE GLAM SEAL OF APPROVAL

Entzückend, und alles andere als überraschend, dass sich die Lieblingsblondine mit dem Lieblingsschweizer prächtig verstanden hat. Miss Dolittle und der neue Nachbar haben ebenfalls Diamantenstaub gesparkelt. Solche Abende könnten meinetwegen jeden Abend stattfinden. Und kann bitte jemand Martha Wainwright einen Strauß überreichen für den Albumtitel "I know you´re married, but I´ve got feelings, too".

Freitag, 30. Mai 2008

"WRITE YOUR HEART OUT."

So Joyce Carol Oates Anweisung in ihrem Essay "To a young writer". Dabei hätte sie es schon belassen können, doch natürlich sprüht das gesamte Essay vor Genialität. Was soll sie tun, sie kann nicht anders, diese wunderbare menschliche Schreibmaschine.
Sie schreibt viel und manche ihrer Bücher linteressieren mich überhaupt nicht, aber dann wieder kommen Werke wie "Bellefleur", "Mysteries of Winterthur", "Blonde" oder "The Falls" und "Middle Age" und ich bekomme Schreibneid wie sonst nur beim Lesen von Coupland und - ja, ich stelle ihn in diese Liga, Bomec. Anders als Bomec schreibt und veröffentlicht Joyce Carol Oates sehr sehr viel. Und Bomec hat sich noch nicht an der Romanform versucht - soweit ich weiß. Sie ist aber auch mindestens doppelt so alt wie er, kann ja alles noch. Alle meine Lieblingsblogger sind meine Lieblingsblogger, weil sie unter der titelegebenden Prämisse schreiben. Allen anderen kann ich, wie JCO, noch einen abschließenden Rat geben: "And one final time: Write your heart out."

Freitag, 23. Mai 2008

BLOND. GLAM BLOND.

Bekanntlich steht ja in Kürze der Scheckliche Geburtstag an. Und da muss man sich selbstverständlich ein wenig groomen - Alter verpflichtet. Zu den 100 silbernen Regeln im Hause Dick zählt auch die folgende: "Feiere keinen Geburtstag ohne eine konsequente Haarfarbe". Und da ich ja bekanntlich die Farbgestaltung dessen, was auf meinem Kopf wächst einer Friseurin im Damensalon meines Geburtsortes überlasse, diesen aber vor dem Schrecklichen Geburtstag nicht mehr frequentieren werde, blieb mir nun nichts anderes übrig, als mein Haupt in fremde Hände zu übergeben. Zunächst einmal Schlecker angesteuert, wegen der Lieblingsfarbe. Treffer. Hollywood. Im Auto dann fiel mir ein, dass die letzten Versuche mit Hollywood nicht sehr erfolgreich waren und ich zu Helsinki gewechselt hatte, einen ganzen Farbton heller, vom 9er ins 10er Spektrum. Hm. Egal.

Zum 10 Euro-Salon auf der W.-Straße. Ich meine, wenn die Dorf-Friseuse nicht falsch machen kann... Dort erkundige ich mich nach dem Nachfärbe-Preis.
"15 Euro" herrscht mich der dort schnippelnde unwirsche Billigfriseur an. Ich fische nach meiner Hollywood-Farbe.
"Ich hab meine eigene Farbe mitgebracht."
"Machenwanich. Hier nur xxrg!!+" (eine Marke, die selbst gesundes Haar binnen 5 Minuten Einwirkungszeit killt.)
Dann nicht, Arschloch, denke ich und verlasse den Laden. Hm again.
Dann fällt mir ein, dass ein Friseur meines Vertrauens nicht unweit und sogar zu Fuß zu erreichen ist. Dort hatte man mir schon vor Jahren kunstvolle Strähnen in vier Schattierungen verpasst, die mein Haar nur unerheblich beschädigt hatten. Wenn der Votzenkopp im Asoladen 15 Euro nimmt, dann werde ich auf der O-straße vermutlich 30 zahlen. Sei´s drum, sag ich mir, - wer blond sein will muss blechen. Rufe Salon K. an, bekomme Termin in 20 Minuten, spaziere los.

Der charmante Coiffeur betrachtet meine Ansatzsituation und erklärt mir seinen gewieften Schlachtplan: Durch Mischen der Farbnote cendre-Blonde-extrème-oder-so (die Schwarzkopf-Produktnamen sind französischer als die von L´Oréal!) und einer Grundfarbe im 9er-Spektrum plant er, jede Rotstichelei im Keim zu ersticken und einen flüssigen Übergang vom Scheitel bis zu den arg verblichenen Haarspitzen zu zaubern, ohne dem Haar die Strapazen einer 10er Färbung zuzumuten. Und nächstes Mal können wir auch die weißblonden Haarspitzen etwas anaschen, was natürlich Glanz nimmt, aber dem Farbspektrum ein wenig das Kompositorische nimmt. Ja, denk ich - der Mann beherrscht seinen Beruf und eigentlich will ich kein Risiko mit dem nicht-mehr-bewährten Hollywood eingehen.
"Klingt toll. Mach!"
Ich lehne mich in den Sessel und lass ihn machen, er macht das bestimmt toll. Und ich liege so rum und mit meinem Bauchgefühl richtig, denn, als ich nur eine Stunde später in den Spiegel schaue sehe ich: er hat MEIN Blond kreiert, einen Ton irgendwo zwischen dem Gold von Nicole Kidman und dem Sand Jack Wagners, ca Melrose Place. Es ist ein Blond, das das Blau meiner Augen zum Leuchten bringt, anstelle des Grüns oder des Graus. Ein Blond, das sich gerne mit Neonfarben umgibt, weil es gegen sie anglänzen kann. Ein Blond, das einen roten Pullover nicht scheuen braucht, aber auch keinerlei Probleme mit Türkisen darstellt. Ein Blond, dessen Künstlichkeit in seiner Beabsichtigung absolut ehrlich ist. Ein Blond, mein Blond, ich nenne es das GLAM-BLOND.

"60 Euro." Sagt der Farbkünstler und während ich meine Kinnlade mit einem sanften Klack der Linken zurück gen Oberkiefer ditsche, ziehe ich die Scheine aus dem Portemonnaie und denke, dafür muss ich eine Woche untervermieten. Was ist passiert? Hat die Rezession in diesem Salon nicht halt gemacht? Gibt es noch Kreuzberger, die für eine Nachblondierung 60 Euro ausgeben können? Ja.

Ich hätte hier also noch ne Packung "Hollywood" von L´Oréal abzugeben. Hat mich sechs neunundneuzig gekostet. Bin bereit, sie für sechs achtundneunzig abzugeben. Because, trust me - alles ist zu ertragen mit einem perfektem Blond.

Donnerstag, 22. Mai 2008

WIENER STRASSE, MORGENS UM 8

"Glam, wow - lange nicht gesehen. GUUUT siehst Du aus!"

Ich kann Ihnen allen empfehlen, bei leicht gebräunter Haut auf die Farbe Neon-Pink in der Oberbekleidung zu vertrauen. Macht einen sehr rosigen Teint. American Apparel - douze points.

Freitag, 11. April 2008

CHARITY HOPE VALENTINE

Eine ganz andere Energie. Seit ungefähr einer Woche. Luxuriöse Begegnungen jeden Tag. Genau wie das Horoskop schon sagte - ich treffe Leute und wir versetzen uns in Schwingungen. Sei es auch nur, dass ich einem fremden Reisenden mein Gästezimmer spendiere. (Das ist wahrscheinlich eine Spätfolge von "Into the Wild". ) Mit G. ein Gespräch über Charities - keiner kann man trauen. Um so schöner, dass wir alle unsere eigenen Charities veranstalten können und uns das sogar auch selbst reich macht. Texte ins Netz stellen für umsonst. Die Wohnung öffnen und von den Geschichten der Reisenden profitieren. Durch Gespräche mit Lange-nicht gesehenen oder Fremden sich selber in der Welt platzieren, das innerlich Schwebende verankern.

Dienstag, 1. April 2008

RTS oder AUS DER REIHE KAPUTTE BEKENNTNISSE

Wennsema schaun mögen: bei Sekunde 30.



Das hab ich nämlich auch. Ich nenn es Restless-Toe-Syndrom. Das Restless-Legs-Syndrom ist ja amtlich und ich habe schon viel drüber lachen müssen. Mein RTS finde ich aber auch ganz amüsant. Mir wurde berichtet, dass ich kurz vorm Aufwachen allerhand Lustiges mit meinen Zehen anstelle. Erst kommt die Aufwärts-Abwärts-Welle, dann die Spreizung, dann die Laola und dann die kleine Ballerina. Ich hoffe allerdings, dass es sich nicht auf die Beine ausweitet.

Sonntag, 30. März 2008

WISSEN WO DER WÜRGER WOHNT

DSC00213

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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