Glam gruebelt

Dienstag, 17. November 2009

REMEMBERING BATES MOTEL

Die Polizistin war eine Super-Badminton-Partnerin, aber auf so ne Kindergartenmäßige Tour besitzergreifend, die wollte dass ich am Liebsten mit niemandem sonst zu tun habe, ging ich also auf Distanz. Die anderen beiden Verbündeten, Menschen, die mir emotional und intellektuell verwandt waren, fingen irgendwann eine Affäre an und da brauchte ich mich gar nicht distanzieren, das erledigte sich von selbst. Und später wollte ich dann auch keinen Kontakt mehr, als ihre Affäre sich erledigt hatte und wir alle wieder in unseren Leben angekommen waren. Die Polizistin war ein paar Wochen später wieder auf Antidepressiva und hörte sich betrunken an, als ich sie am Telefon hatte. (Who am I to judge - wir feierten meine Rückkehr mit einem Koksgelage.) Der weibliche Teil des Ex-Kurschattenpärchen heim in der Familie. Ihn treffe ich noch manchmal zufällig, wenn die Narcotics Anonymous-Gruppe paar Häuser weiter zum Rauchen auf die Straße geht.

Für Neuleser: Die ganze Geschichte hier. (Müssen Sie rückwärts lesen, beginnt mit dem letzten Tagebucheintrag.)

Donnerstag, 12. November 2009

HAT SICH JEMAND DEN ROMY-FILM ANGETAN?

GLAM AM KANZLERAMT

Er hatte damals die Technik gemacht, so als Jungspund in engen Hosen, als die gar nicht stylish waren, mit gespiketen Peroxid-Haaren. Sie trat dort auf und sang bezaubernd in pailletierten Abendkleidern, und ich verkaufte die Tickets und brachte manchmal Sekt auf die Bühne, einmal, das fiel mir heute ein, in einem Barockmäntelchen aus dem Fundus der verstorbenen "Freien" Volksbühne, das aber sowas von drüber war, dass ich heute erröte. Das waren legendäre Nächte, in denen Künstler aller Richtungen jammten bis zum Morgengrauen, drei Sommer lang, eine Zeit, die für mich prägend war für alles, was danach kam. Heute trafen wir uns zufällig wieder, in einer ähnlichen Location wie damals, jetzt alle Freelancer, und stellten fest, dass wir nach vielen vielen Jahren wieder für den gleichen Auftraggeber arbeiten - einen anderen als damals, aber einen, der uns ebenfalls ein gutes Gefühl gibt. Gutes Gefühl.

Mittwoch, 11. November 2009

UND NOCH NE NARRETEI

Heute um 11.00 Zahnarzttermin.
"Und Sie bringen bitte Pfannkuchen mit, Herr Dick, ja?"

FREU DICH BLOSS NICHT ZU FRÜH

Unklarheiten rechtzeitig* aus dem Weg räumen. Weitermachen. (Nothing ever changes.)



* Rechtzeitig bedeutet oft frühzeitig. Oft. Nicht immer. Aber fast immer.

Was anderes: Ce soir: Gitte Hænning im Tipi!

Sonntag, 8. November 2009

DAS SCHWEIGEN oder UNEXPECTED SONG

Mein Mitteilungsbedürfnis auf Blog-Ebene ist gerade sehr eingeschränkt. Ein paar Unerfreulichkeiten will ich gerade nicht loswerden, das würde ihnen mehr Raum bieten, als sie verdienen. Da verschaff ich mir in Gesprächen besser Luft.
Aber auch die bezaubernde zwischenmenschliche Begegnung von gestern, die im Bett begann und in einem langen Küchentischgespäch gipfelte, gehört eigentlich gar nicht hierher und wird nur festgehalten, damit ich mich in einem Jahr, wenn ich den Schnee-vom-vergangenen-Jahr-Button klicke, freudvoll erinnern kann.

Donnerstag, 5. November 2009

@ Tod Spango: LOVING THE ALIEN

Hatte "Ship of Fools" komplett falsch in Erinnerung*, mit einer Ausnahme, der Oskar Werner - Simone Signoret storyline. Es ging mir mit Oskar wie damals - herzeröffnend, und Simone tat mir in ihrer Rolle ein wenig leid und in ihrer Besetzung noch ein wenig mehr, denn was hätte Marilyn wohl aus diesem Part rausgeholt, 38jährig, had she lived to that age. Ist Oskar nicht ein Blutsbruder von Monty Clift? Hätten die beiden nicht zusammen glücklich werden können? Oder gar zu dritt?

Vampire sind seit "Twilight" leider der Pferderoman/Comic des 21. Jahrhunderts. Pale Beauty. Früher sehnten sich Mädchen nach was Strammem zwischen den Schenkeln, heute nach was Feuchtem an der Kehle. Eine eigentlich spannende Entwicklung, bedenkt man, dass Vampire immerhin ein Jahrhundert lang für Sex ohne Liebe standen - jetzt stehen sie für Liebe ohne Sex, quasi. Vampire sind gemickeymouset worden. Schuld ist Anne Rice. Ja, Coppola auch. Und dennoch ist Coppola´s Dracula der Höhepunkt des Vampirs in unserer Kulturgeschichte. Believing the strangest thing.

*Ich hatte ihn mit einem anderern Oskar-Werner-Film, "Voyage of the Damned", vermischt.

Mittwoch, 4. November 2009

GIFTED GLAM

Ich geh dann von diesen Abenden nach Hause, kopfschüttelnd vor Wunder, wieder mal erfahren habend, wie privilegiert ich bin. Und weiterhin kopfschüttelnd über die Idiotie der Berliner Presse, zu schweigen, ganz zu schweigen von der selbstverschuldeten Lethargie so mancher, denen etwas, das man umsonst bekommt, als geringwertig erscheint, so dass man das Geschenk am End gar nicht annimmt. Ein bisschen wie ein Scheck in der Post, den man versehentlich mit der Werbung in den Müll schmeißt.

Weitere Geschenke: "Ship of Fools" endlich auf DVD. Desweiteren "Boom" und "Me and my Shadows". Man muss halt doch manchmal zu Dussmann gehen, wenn man das Gefühl hat, Amazon leer gekauft zu haben.

Sonntag, 1. November 2009

BIG GLAMMIE

Und wir schauen so "Grey Gardens" und Jessica Lange steht auf der Terrasse und verschränkt die Arme vor der Brust, und ich denk - Schau mal - dieser Archetyp Mutter-die-Kind-nicht-gehen-lassen-will, das gibt es wirklich nur wenn man so eine Mutter hat, oder eben als Archetyp, aber das, was in der Frau vorgeht da jetzt gerade, wie sie das Kind ziehen sieht und es zerreißt sie, das ist so ur-weiblich, das kann kein Mann, das muss was mit der Nabelschnur zu tun haben.

Und dann ist der Film vorbei, der Nachmittag fast rum, sein Flieger geht bald und wir sagen Tschüss und nehmen uns in dem Arm, und nehmen uns nochmal in den Arm und geben uns einen Kuss, und ich sag "Love you", und er sagt "Love you too", und dann drücken wir uns und irgendwo in mir hör ich den Ruf: "Edie? Eeeeedie?!"

Und dann mach ich die Tür hinter ihm zu und verschränke die Arme vor der Brust und fühle keine Zerrissenheit, keine Nabelschnur, weil mit ihm ist es so - wenn er weg ist, ist er weg, wenn er da ist, ist er da. Und man muss es zu schätzen wissen. Das Kind macht schon das Richtige. Er kommt schon klar. Er ist ja erwachsen und es geht ihm gut. Sein zuhause ist anderswo. Und gehe und mach den Schrank auf und nehme mir Cracker und Paté. Gar kein Sektglas mehr da? Ach, das Marmeladenglas tut´s auch.

Dienstag, 27. Oktober 2009

GLAMBASSY

Den ersten Glamour-Event der Woche überstanden. Wacker. Als ich erfuhr, dass der Abend doch nicht in der Botschaft, sondern beim Gesandten und seiner Gattin zu Hause stattfinden wollte, da wurde ich doch etwas nervös. Bei so ´ner großen Einladung kann man ja immer unauffällig am Rand rumlungern oder sich im Großen Stil daneben benehmen, aber je familiärer, desto mehr Aufmerksamkeit ruht auf einem. Diese Sorge hatte wohl nicht nur ich. Als ich eintraf, waren bereits zwei Menschen da, die ich kannte - einen, den ich in der Vergangenheit schon verabschiedet hatte, und eine, die mir vor etwa einem Jahr vorgestellt wurde. Beide begrüßten mich stürmisch, bei ihm nicht verwunderlich - er hat kein Format und war genau so nervös wie ich auf diesem Terrain. Bei ihr überraschte es mich dann doch, denn sie hatte mich beim Kennenlernen noch mitten im Vorstellungssatz stehen lassen. Gestern hing sie an mir wie eine Klette, bis der Ehrengast erschien und sie nicht länger nur mich hatte. Förmlich unoffiziell verteilten sich ca 20 Menschen über die Charlottenburger Wohnräume, ganz zwanglos flog das fliegende Buffet, wie Monde kreisten die Gäste um mehrere Sonnen - Gesandter, dessen Gattin, Ehrengast. Irgendwann merkte ich, dass es nicht anders war als bei meinem Parties - schillernde Menschen aus allen Bereichen des Lebens, nur dass hier anteilig mehr Wirtschaft und Politik verteten war als bei meinem Parties und es ein klitzekleinwenig förmlicher zuging. Es gab Wein aus dem Land des Ehrengastes, ich hielt mich, wie der Ehrengast, allerdings an den Champagner. Nach ein paar Gläsern war es dann sehr angenehm, mit Fremden mit lustigen Akzenten ins Gespräch zu kommen, wobei ich zugegebenermaßen die meiste Zeit mit Ehrengast und Gatten verbracht habe. Und als es gerade richtig schön war und ich dachte, wunderbar die beiden mal wieder zu sehen, it´s been too long, und unsere Eskapaden der vergangenen zehn Jahre vorm inneren Auge vorbei zogen, da fiel mir ein, dass dies ja erst der Auftakt für zwei glamouröse Wochen ist, dass ich mit dem Auto da bin, und dass ich spätestens Mittwoch wieder in den Genuss der Gesellschaft kommen würde, also bedankte und verabschiedete mich, nahm mir meinen Dolce-Mantel, der für solche Anlässe geschaffen ist, setzte mich in den Wagen und fuhr durch den Nieselregen nach Hause, entlang an Schlössern und Botschaften, Parks, Flüssen und Kanälen, während Herbstlaub durch die milde Luft flog und die Scheibenwischer quietschten.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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