Irgendwie hat es die Berliner Presse verachlässigt, das wunderbare Konzert des Michael von der Heide zu besprechen, schade, denn derlei Information kann man gar nicht weit genug spreaden. Und weil ich so schön geschrieben habe, verehrte man mir ein Freikartenkontingent für die heutige Vorstellung. So dass ein glamouröses Publikum den glamourösesten aller Schweizer erleben darf und es weitersagt. Also machen Sie sich schick, zuvor aber schicken Sie mir eine Mail an glamourdick at aol dot com, dann bekommen Sie von mir das Passwort! Eins A Serviceblog hier, n´est-ce pas?!
Sagen wir es so - es gibt Künstler (und davon stand einer auf der Bühne, unterstützt von drei virtuosen Musikern) und es gibt Kleinkünstler (davon wimmelte es im Publikum). "Kleinkünstler" bemühen sich seit ehedem um eine neue Berufsbezeichnung. Manche fordern für sich den Begriff des Chanonniers oder der weiblichen Kleinkünstler-Sing-Gattung - der Saucière. Gestern saßen sie im Dunkeln des Zeltes und erblassten außer von mir unbeobachtet anlässlich des großartigen Pop-Künstlers Michael von der Heide, der Bühnenpräsenz aus dem Ärmel seiner eng geschnittenen Jäckchen schleudert, dass ich Kleinkünstler in Bühnennähe am Boden lecken sah, da ihnen so etwas in ihrer Mutter Milch und auch später nicht vorgekommen ist. Ich beschreib jetzt nicht weiter, Ihnen fällt sonst die Kinnlade, außer dass Freunde und Bekannte von mir und ich gestern in Gesprächen eines beschlossen (hier lieber Leser, aufgepasst!:) Dass wir jedem und jeder, der oder die die die Möglichkeit haben, Michael von der Heide in der Bar jeder Vernunft zwischen Dienstag und Sonntag nächster Woche zu besuchen und diesem grandiosen Abend voller Glamour, Herz und verschlagener Sexiness beizuwohnen und diese Chance/ Versprechung/ Reise ins Ich/ Du/ Er/ Sie/ Es NICHT wahrnehmen auch nicht mehr helfen können und schlicht die Freundschaft kündigen werden, selbstverschuldete Trauerklopse. So ist es.
Desweiteren anzumerken: die Humpe war straffer als ihr Kerl, der Plate kaum angesengt vom Burnout und gut gelaunt aber nach wie vor übel frisiert, der Großteil der Belegschaft alte Bekannte aus meinem alten Business, das sich zu vermissen nicht lohnt, das lernte ich auf ein Neues. Die guten Menschen der Chanson-Szene, die gestern anwesend waren, waren reizend und charmant wie damals, die Kleinkünstler der Branche und die, die sie kleinhalten, klein - es hat sich nichts geändert. Und was soll ich zur Bilitis-Mafia sagen, außer dass es keinen Club gibt, in dem ein Dick wie ich weniger gern Mitglied sein möchte? Wie geizig jemand mit seinen social skills auf einer Premiere umgeht ist seit mehr als zehn Jahren für mich eindeutiges Zeichen seines Werts. Dort messe ich die Ausschüttung von Armutszeugnissen und auch gestern flossen sie, wenn auch nicht in Strömen, dazu ist die BjV zu klein.
So - summing it up - Gehen Sie, denn schon ab Dienstag ist es keine Premiere mehr und Sie können sich das Ganze unbelastet von Entertainment-Industrie genießen, müssen dann aber Ihre Getränke fein selber zahlen.
Und hier nochmal, auf Bitten des mysteriösen Mädchens aus dem geheimen Internetz-Clip von Michael von der Heide:
...der Mörder. (Und hatte 13 Folgen lang großartige Unterhaltung. Ein 9-Stündiger Slasher-Film mit Humor, Sex, Spannung. Und Blut Blut Blut. Ich hab mich sogar ein wenig an Katie Cassidy gewöhnt. Leichter fiel das bei Adam Campbell und Christopher Gorham.)
Happy birthday, guys and Dolly!
Klitzekleine Geschenke wird es doch geben, denn anders als Marlene hab ich das Geld nicht für ne blöde Frisur ausgegeben.
Nach stundenlangem Teekannen im Internet vergleichen, habe ich die Wahl getroffen. Eine Teekanne ist ja nicht irgendwas. Sie ist das erste Schöne, was man am morgen erlebt, bestenfalls über Jahre hinweg. Da kann man sich nicht son hässliches Glasdings oder was drachenförmiges auf den Teetisch stellen. Höchstens noch etwas, das nach einer Disney-Gestalt geformt ist, Alice oder Tinker Bell schweben mir vor, aber ich hab was viel Besseres entdeckt - eine Teekanne, wie sie in Entenhausen vorkommen könnte, im Taj Mahal oder auf einem Fliegenden Teppich. Die so aussieht, als müsse man an ihr reiben und ein Dschinn, der aussieht wie Jake Gyllenhall, kommt einen besuchen. Und hier ist die edle Feine, heiter Stimmende, die Waechtersbacher Teekanne in Gold/weiß, mit 1, 2 Liter Fassungsvermögen.
Isn´t she just adorable?! Ich hab die freundlichen Keramik-Spezialisten schon kontaktiert und sie flitzen gerade für mich durchs Lager und schauen, ob sie noch eine für mich übrig haben. Daumendrücken!
(Ist bestellt! Lieferzeit 8-10 Wochen. Der Mercedes unter den Teekannen...)
Am Anfang waren, wie so oft in meinem Leben, die Vampire. Und Anke. Die Vampire: David Bowie und Catherine Deneuve. Der Film "The Hunger". Und in der ersten Sequenz, wenn Catherine und David sich in einem stylishen New Wave Club ihre sexy Opfer suchen, da war diese Band. Dieser Mann hinter Gittern. Diese messerscharfe Stimme, die kalt spielte und in der doch alles in Flammen stand. Eine Explosion versprechend, ein Feuerwerk. Mein Teenagerherz barst in tausend kleine kristallene spitze Stücke. Peter Murphy. Die Band Bauhaus, deren Frontmann er war, gab es nicht mehr lange, aber was scherte mich Bauhaus, wenn Murphy allein weiter machte und während der ersten Jahre seiner Solokarriere immer besser wurde, und immer schöner. Das war mein persönlicher Thin White Duke, mein Vampir Lestat, Louis; wenn Sie glauben, meine Faszination mit Rufus Wainwright wäre hardcore gewesen, dann hätten Sie mich mit 16, 17, 18 erleben sollen - Murphy war mein Seelenfängerseelensänger, und das vielleicht auch, weil seine Lieder so verschlüsselte Mysterien waren - ich glaubte in jedem etwas zu entdecken, was nur direkt mich ansprechen konnte. Musik, die von außen in mich reinfuhr und dort auf etwas traf, das sie kannte. (Teenager halt, Sie waren auch mal einer.)
Erst Jahre nach dem ersten Hören von "Bela Lugosi´s dead" erlebte ich ihn live. Ihm und Marilyn zu Ehren frisch erblondet, nach Jahren des Grufti-Schwarz, stand ich so dritte Reihe, Anke rechts neben mir, trug mein Kapuzenshirt aus Silberlamé und erlebte das zu diesem Zeitpunkt meines Lebens genialste Konzert ever. Ich fraß dem Mann aus der Hand und dann kam der Moment in "Marlene Dietrich´s favourite Poem" (übrigens auch meins, der olle Freiligrath), wo er den Blick durchs Publikum schickte, seine hypnotische Stimme waberte durch mich hindurch, und dann blieb sein Blick hängen. In meinen Augen. Das ganze Lied lang schaute er mir in die Augen. Für einen 22jährigen der spektakulärste Emo-Orgasmus vorstellbar. Ich war in einer Art innerejakulativen Hyperkatatonie gefangen, immerhin schaffte ich es, das Konzert auf beiden Beinen zu verlassen, irgendwie muss ich auch heil nach Hause gekommen sein, sonst säße ich ja jetzt, paar Jahre später, nicht hier, nur leicht lädiert vom Leben in der Zwischenzeit.
Heute stand Anke links von mir als er "Marlene Dietrich´s favourite Poem" sang. Und ich war einen kurzen Augenblick nicht mehr im Huxley´s, sondern im Metropol am Nollendorfplatz. Unsere Blicke trafen sich nicht. Ich hatte solche Angst gehabt, dass mein Murphy vielleicht dick geworden sein könnte, und keine Haare mehr hat, und so war es auch, aber es war nicht doof. Diese Stimme ist noch so messerscharf wie immer, was scheren mich die Lovehandles? Haare? Gibt doch Mützen. Als er loslegte und mit seiner kleinen Plautze über die Bühne stolzierte und sie und uns im Sturm nahm raunte mir Elvira Westwärts, die es wissen muss, zu "Besser als jede Tunte!". Und traf es. Murphy hat eine Glam-Grandezza, die so gar nicht Gothic oder Grufti ist, der Mann ist Glamrock meets Kunstlied. Seine Bühnenpräsenz hat nie allein auf Schönheit beruht (und Gott, war dieser Mann damals schön in meinen Augen), seine Präsenz hat er schon immer durch Charisma erzeugt. Und die Verbindlichkeit seines Vortrags. Wer außer Bowie selbst dürfte "Space Oddity" singen und Du befindest Dich mit ihm in der Kapsel? Peter.
Videoleinwände? Tänzer? Kostümwechsel? Alles ganz nett, wenn man von sich selbst ablenken muss. Peter Murphy hat das nicht nötig. Er ist keine Schönheit mehr. Er ist durch und durch schön.
"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting."
Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".