"Wenn das Leben der Marchesa auch ebenso ausschweifend wie wertlos gewesen sein mag - man kann nichts mitnehmen aus dieser Welt, und solange sie in ihr lebte, funkelte sie wie eine wundersame Libelle. Das ist viel wert in einer Welt, die ansonsten so eintönig ist."
Woodrow Wyatt, "Confessions of an Optimist".
Aus "Die göttliche Marchesa: Leben und Legende der Marchesa Casati" von Scot D. Ryerson und Michael Olando Yaccarino. Und ja, das Buch gibt es wirklich, auch wenn Titel und Autoren ein wenig klingen, als kämen sie in einem Roman von mir vor.
Und natürlich denkt man zwischendrin mal - och nee, jetzt nicht auch das noch! - und natürlich funktioniert er deswegen und trotzdem, und man ist krawummfortionös durchgeschaukelt, es ist eine Filmfreude durch und durch und pur. Man muss das Genre halt mögen, which I absokrawummmäßig do, und dann hat man einen saftigen Kinonachmittag voller sinnlicher hochglamouröser Zerstörungswut. Wut, was sag ich - Koller! Emmerich geht für mich in die Hitchcock-Richtung: man weiß eigentlich, dass man es mögen wird, man braucht keine Kritik lesen. (Und ich könnte mir kein größeres Lob vorstellen, denn, wenn ich meine DVD-Regale entlanglaufe und zähle, dann ist Hitchcock der Regisseur, der von allen Regisseuren am Zahlreichsten vertreten ist.)
I love the look of fear in their eyes. Wenn alles klappt, feuert Amanda die ganzen Kinder und entwickelt im Kautschuklabor von Lindy-Toys eine magische Haarkur, die wirklich kaputte Spitzen kittet und Sydney und Kimberley von den Toten auferstehen lässt.
Und ich glaube ja nicht, dass mein orgasmischer Enthusisamus damit zu tun hat, dass ich vorhin beim Akt Poppers verschüttet habe (was gar nicht mal so unvorteilhaft ist, weil man sich das Hin- und Herreichen des Fläschchens erspart und einfach tief ins Kopfkisssen atmet. Trotzdem lästig, dass selbst die Intensvikur von L´Oréal die Geruchsmelange aus Kaugummi und Umkleide nicht wegkriegt. Und ich hab morgen einen Haartermin.)
Filmbilder to blow you away, wuchtig, brilliant, edel. Eine Geschichte, herzenbsrecherisch schön. Figuren in die man sich verliebt, instantly. Und keine Spur der Finsternis, wie man sie aus verwandten aber erfreulicherweise nur entfernt verwandten Filmen von Guillermo del Toro oder Terry Gilliam kennt. Das Abgründige, Düstere wird hier durch eine feine Melancholie ersetzt - angesichts der dramatischen Rahmenhandlung ein bravourös gemeisterter Balanceakt.
Die Storyline: Scheherazade umgekehrt. Hollywood in den frühen 20ern. Der Stuntman Roy liegt nach einem Unfall gelähmt im Krankenhaus. Das Mädchen Alexandria, das auf einer Orangenplantage arbeitet und sich den Arm gebrochen hat, lässt sich von Roy eine Geschichte erzählen, Fortsetzungen gewährt er ihr aber nur gegen Dienstleistungen: sie soll ihm Morphium stehlen, damit er sich das Leben nehmen kann.
Irgendwie hat es die Berliner Presse verachlässigt, das wunderbare Konzert des Michael von der Heide zu besprechen, schade, denn derlei Information kann man gar nicht weit genug spreaden. Und weil ich so schön geschrieben habe, verehrte man mir ein Freikartenkontingent für die heutige Vorstellung. So dass ein glamouröses Publikum den glamourösesten aller Schweizer erleben darf und es weitersagt. Also machen Sie sich schick, zuvor aber schicken Sie mir eine Mail an glamourdick at aol dot com, dann bekommen Sie von mir das Passwort! Eins A Serviceblog hier, n´est-ce pas?!
Sagen wir es so - es gibt Künstler (und davon stand einer auf der Bühne, unterstützt von drei virtuosen Musikern) und es gibt Kleinkünstler (davon wimmelte es im Publikum). "Kleinkünstler" bemühen sich seit ehedem um eine neue Berufsbezeichnung. Manche fordern für sich den Begriff des Chanonniers oder der weiblichen Kleinkünstler-Sing-Gattung - der Saucière. Gestern saßen sie im Dunkeln des Zeltes und erblassten außer von mir unbeobachtet anlässlich des großartigen Pop-Künstlers Michael von der Heide, der Bühnenpräsenz aus dem Ärmel seiner eng geschnittenen Jäckchen schleudert, dass ich Kleinkünstler in Bühnennähe am Boden lecken sah, da ihnen so etwas in ihrer Mutter Milch und auch später nicht vorgekommen ist. Ich beschreib jetzt nicht weiter, Ihnen fällt sonst die Kinnlade, außer dass Freunde und Bekannte von mir und ich gestern in Gesprächen eines beschlossen (hier lieber Leser, aufgepasst!:) Dass wir jedem und jeder, der oder die die die Möglichkeit haben, Michael von der Heide in der Bar jeder Vernunft zwischen Dienstag und Sonntag nächster Woche zu besuchen und diesem grandiosen Abend voller Glamour, Herz und verschlagener Sexiness beizuwohnen und diese Chance/ Versprechung/ Reise ins Ich/ Du/ Er/ Sie/ Es NICHT wahrnehmen auch nicht mehr helfen können und schlicht die Freundschaft kündigen werden, selbstverschuldete Trauerklopse. So ist es.
Desweiteren anzumerken: die Humpe war straffer als ihr Kerl, der Plate kaum angesengt vom Burnout und gut gelaunt aber nach wie vor übel frisiert, der Großteil der Belegschaft alte Bekannte aus meinem alten Business, das sich zu vermissen nicht lohnt, das lernte ich auf ein Neues. Die guten Menschen der Chanson-Szene, die gestern anwesend waren, waren reizend und charmant wie damals, die Kleinkünstler der Branche und die, die sie kleinhalten, klein - es hat sich nichts geändert. Und was soll ich zur Bilitis-Mafia sagen, außer dass es keinen Club gibt, in dem ein Dick wie ich weniger gern Mitglied sein möchte? Wie geizig jemand mit seinen social skills auf einer Premiere umgeht ist seit mehr als zehn Jahren für mich eindeutiges Zeichen seines Werts. Dort messe ich die Ausschüttung von Armutszeugnissen und auch gestern flossen sie, wenn auch nicht in Strömen, dazu ist die BjV zu klein.
So - summing it up - Gehen Sie, denn schon ab Dienstag ist es keine Premiere mehr und Sie können sich das Ganze unbelastet von Entertainment-Industrie genießen, müssen dann aber Ihre Getränke fein selber zahlen.
Und hier nochmal, auf Bitten des mysteriösen Mädchens aus dem geheimen Internetz-Clip von Michael von der Heide:
"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting."
Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".