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Donnerstag, 15. Oktober 2009

NOTE TO GLAM oder WHAT THIS IS ALL ABOUT

Und dann mit dem russischen Patenkind zu skypen, nach diesem Tag, an dem so viel Vergangenes wieder lebendig wurde, das macht den Anker in der Gegenwart aus. I´ve come a long way. Long. Und meinen Wert, den schätze ich. Und jetzt weiß ich, wo. (Insgeheim weiß ich das seit meiner vorletzten Geburtstagsfeier, aber pschhhhhht!)

DeeVD

Und so hatten wir das nicht mal damals, wenn eine neue CD rauskam, das war dann so - na ja, isse endlich da, sieht zu 50% aus wie die D. sie wollte, zu 50 % wie der T. Also so, dass keiner der daran Beteiligten enthusiastisch sein konnte, immer Kompromiss. War dann halt da und ging in den Handel. Nur, dieses Mal ist es anders. Idealistisch, wie in den Anfängen. Scheiß auf den Markt, der nichts will - wir machen trotzdem, wird schon. Scheiß auf den Handel und die Mediamarkthalsabschneiderei - gibt´s halt nur exklusiv, ist ja auch exklusive Ware. Und das ist der Plan, und es fühlt sich gut an. Abenteuer. Morgen isse da. Hier.

Und dass ich da saß, heute morgen, und überlegte, ob ich die Geschichte vom Flughafen-nahen-Lover aufschreiben sollte, und dann klickte ich, was genau vor einem Jahr und vor zwei Jahren hier festgehalten wurde, und da war sie - die Geschichte. Schon geschrieben. Und warum sie mich immer am gleichen Herbst-Tag hauntet - Marilyn knows, I don´t.

Morgen. DeeVd. Freu!

SCORPIO RISING

signing

Unser allererstes Treffen wäre im Adlon gewesen, aber nach einer Stunde des vergeblichen Rumsitzens hatte ich die Segel gestrichen, so dass das Kennenlernen am Telefon stattfand, mehrere Wochen lang tauschten wir Ideen für unser Projekt aus, jeden Tag mehrmals. Das erste Mal gegenüber standen wir uns, als sie in Berlin eine Signierstunde hatte, ich holte sie ab, dann gingen wir Schuhe kaufen, später am Abend aßen wir im Adlon zu Abend. Wie jedes Erlebnis mit ihr erinnere ich den Abend auch nur noch als surreal. Und dass der Chablis köstlich war.
In den nobleren Geschäften rund um Friedrichstraße und Ku´damm kannte man mich dann bald als "den Begleiter von..." und im Department Store des Quartier 206 wusste man, welches Parfum ihr gefiel, so dass ich mit Geburtstagsgeschenken immer richtig lag.
Im Borchardt hab ich eigentlich immer nur Bratkartoffeln gegessen, sie meist Austern. Die BZ verpasste mir in einer Bildunterschrift einen falschen Namen und unterstellte, ich habe gesagt, sie habe die Austern gewählt "weil die so eine erotisierende Wirkung haben". Haben wir sehr drüber gelacht. Wie es mit Skorpionen so ist, wurde ich irgendwann abserviert, nur um, wie es mit Skorpionen so ist, wieder aufgegabelt zu werden. Was das angeht, hatte ich keinen Stolz, denn ich hatte sie vermisst. Aber wie es mit Freunden, denen man eine Zeit lang nicht vergeben wollte, so ist - unser Verhältnis hat sich verändert.

Heute fühlte ich mich verkleidet, als ich den Dolce-Mantel aus dem Mottenpapier holte, mir die Botschaftsschuhe kaufte und gleich anzog und Unter den Linden flanierte. Der Mantel fühlte sich an wie eine Behauptung. An sich nicht verkehrt, weiß ich als Autor, denn oft baut man sich seine eigene Realität mit Behauptungen. Das nicht-wissen-wie-man-die-Miete-zahlen-soll-aber-lässig-in-ihrem-Schatten-über-rote-Teppiche-schlendern habe ich jahrelang wacker durchexerziert. Nicht ad nauseam, aber sehr sehr ausgiebig. Die Zeit, in der ich die Teppiche nicht hatte, haben sie mir nicht gefehlt, und wenn, dann habe ich den für mich ausgerollten vermisst, nicht den ihren. Und so nahm ich dann vorhin nach der zweiten Tasse Kaffee mein Mäntelchen, mein Haus, und schlug die Essenseinladung aus. Wahrscheinlich hätte ich auch auf der Karte im Adlon wieder nur Bratkartoffeln gefunden. Anders als früher, möchte ich in Zukunft dort nur mit ihr hingehen, wenn ich sie einladen kann. Der Tag wird kommen.

GLAMPFEHLUNG: VERONICA MARS

Falls es Ihnen so geht wie mir, und Sie die Serie "Veronica Mars" zum Zeitpunkt ihrer Ausstrahlung komplett verpasst haben - tun sie das gleiche wie ich, besorgen Sie sich Staffel 1 bei Amazon für nen Zehner.

Die Grundsituation der Serie, was könnte besser in diese ewig währende Rezession passen: Degradierung. Veronica, 17, zählte noch im vergangenen Sommer zur In-Crowd an ihrer High School. Was sich änderte, als sie bei einer typisch-kalifornischen Party zum KO-Tropfen-Opfer wurde und nun in den Augen der Mitschüler und Innen zur Schlampe wurde. Vorbei Hip Teens, hallo Nerds. Und dann war da noch der Mord an ihrer besten Freundin Lilly Kane (ganz großartig: die junge bzw. damals noch jüngere Amanda Seyfried), der Lauras Vater, dem Sheriff Mars, die Stelle kostete, so dass er sich nun als Privat Eye herumschlägt, tatkräftig unterstützt von seiner Tochter, die vielleicht gar nicht seine Tochter ist, was möglicherweise erklärt, warum Lillys Bruder so abrupt mit ihr Schluss machte?

"Veronica Mars" ist ein Cotton Candy-Albtraum, eine Mischung aus "Trixie Belden - Mädchendetektiv" (anyone remember?), "Beverly Hills 90210" und "Twin Peaks" mt einer gehörigen Dosis Dysfunktionalität (es gibt nicht eine einzige Familie mit zwei halbwegs vernünftigen Erziehungsberechtigten), schwarzem Humor und einem Touch Hollywood noir - das Ende der Staffel, in dem das Murder Mystery um Lilly aufgelöst wird, ist spekatakulär spannend und wartet tatsächlich mit einer Überraschung auf.

Die Mädchen in "Veronica Mars" sind verzickt und/oder verzweifelt, die Jungs nicht die Zac Efron-High-School-Musical-Abziehbilder sondern babyspeckige, stiernackige Testosteron-Tellerminen. Kristen Bell, Darstellerin der Veronica, die auf mich zunächst etwas schwach auf der Brust wirkte, entwickelt sich im Verlauf der Serie zu dem, was ihr Job ist - zur Titelheldin, einer kalifornischen Verwandten von Kyra Sedgwicks Brenda Leigh Johnson.

"Veronica Mars" ist eine wunderbare Studie zum Thema Teenage-Angst - der Angst vor den Eltern, vor der Peergroup und Autoritäten, aber auch der Angst vor den eigenen Hormonen und der erwachenden Sexualität. Diese vier Bereiche sind es, die zu den Affekten führen, die die Grundlage für die Kriminalfälle liefern, die Veronica hilft, aufzuklären. Sehr zur Unterhaltung des Zuschauers. Ich bin froh, dass Staffel 2 schon in der Post ist, denn, obwohl in der ersten Staffel der rote Faden gekappt und der Mörder Lillys gefasst wird, endet sie dennoch mit einem Cliffhanger. Kaufen!

(Abzugspunkte gibt es für den lustig-flutschigen Soundtrack, der der eigentlich düsteren Story eine Leichtigkeit aufstülpt, vielleicht, weil die Produzenten Angst vor der eigenen Courage bekamen. Ach, und muss ich es dazusagen - versuchen Sie erst gar nicht, sich das Ganze in der deutschen Synchronisation anzutun.)

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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