Dienstag, 13. Mai 2008

ALL FAMILIES ARE PSYCHOTIC but SOME FAMILIES ARE DOWNRIGHT GOTHIC

Die Beales, die Wrights, die Baekelands – der Herr Strike schubste mich darauf. Ja, ich habe eine Faszination für gothic families. Anders kann man sie nicht bezeichnen. Durch Hassliebe verbundene Verwandte, die sich das Leben zur Hölle machen, sich im Weg stehen, sich in ihrem Irrsinn bestätigen, sich zerstören. Familien, in denen Gesetze und Regeln herrschen, die für Außenstehende nicht nur schwer nachzuvollziehen, sondern oft auch schlicht schockierend sind. Dare Wright und ihre Mutter, die bis ins hohe Alter ein Bett teilen. Die Mutter eifersüchtig auf den eigenen Sohn, den sie der Tochter vorenthält, bis er als attraktiver Mann vor ihr steht und sich die Geschwister (unerlöst) verlieben, was bei ihm zum Alkoholismus und bei ihr zu einer Einschweißung des kindlichen Status führt (John Irving hätte die beiden ins Bett geschickt). Tony Baekeland und seine Mutter Barbara, bei denen der Inzest vorgeblich ein Versuch war, ihn vom Fluch der Homosexualität zu befreien. Stattdessen endete sie mit einem Messer in der Schulter und er in einer kleinen Osyssee durch Psychiatrie und Gefängnis. All das, weil der Narzissmus der Mutter so weit ging, dass das Schönste, was je aus ihr hervorgegangen war, Tony, wieder vereinnahmt werden musste. Er muss so etwas wie ein gespendetes Organ für sie gewesen sein, dass sie sich zurückgeholt hat. Es sollte ihr nicht gut tun.

Mutter und Tochter Beale, Edie und Big Edie, die mit Waschbären, scheißenden Katzen und einer Kochplatte neben dem Matratzenlager vegetieren – aber mit Grandezza und Flair. Das Haus zerfällt, aber Hauptsache die Brosche zaubert ein bisschen Glamour auf den kahlen, mit einem Pullover umwickelten Schädel. Der Nerz hat Mottenlöcher, aber es ist Nerz!

Das sind Menschen, die man beobachtet wie einen Unfall.Wie ein Nachtrag zum Happy Ending, das schon damals keines war – selbst als Opa Baekeland das Bakelit erfand, den Vorgänger des modernen Plastiks, das zweifelsohne mehr Fluch als Segen darstellt. In der dritten Generation des Upper-Class-Saugens zermalmt und zerbröselt sich die kaputte Plastik-Sippe. Geld ist zwar noch da, und Anspruch, und ein Adressbuch pickepackevoll mit Principessas und russischen Aristokraten, Autoren und Malern. Man speist mit Wallis Simpson. Aber dem eigenen Kind gibt man kein Spielzeug, weil irgendein LSD-Promi das Kind betrachtet und konstatiert „Tony ist so wild und reizend, er soll mit der Natur spielen!“ Statt Puppenspielen oder Fußball skizzierte er Insekten und züchtete Orchideen, wenn er nicht Fliegen die Flügel ausreißt. Als eine Bekannte der Familie auf Tonys Stottern angesprochen wird ist sie überrascht: „In meiner Anwesenheit stottert er nicht.“ Weil da nicht die Zügel einer überkandidelten Selbstdarstellerin und eines selbstverliebten Horror-Snobs an ihm zerren, die das Kind entweder mit Liebe zuschütten oder sich selbst überlassen. Das wirklich schockierende an der Lebensgeschichte der Familie Baekeland sind die Kommentare der Freunde und Verwandten. „Wir haben es kommen sehen.“ Unisono. Den Tod der Mutter von Hand des Sohnes. Whoops, there goes the neighbourhood.

Edie Beale hatte noch ein paar schöne Jahre, nachdem Big Edie verstorben war und sie Grey Gardens den Rücken kehrte.
Dare Wright wurde zur Alkoholikerin und dann zum Pflegefall.
Tony erstickte sich mit einer - ich schäme mich fast, es zu sagen - Platiktüte. Im Gefängnis, in das er eingewiesen wurde, nachdem er, raus aus der Psychiatrie, mit einem Messer auf seine Großmutter losgegangen war. Über die hatten die Pfleger in der Psychiatrie angesichts eines Besuchs bei ihrem Enkel festgehalten: „Maternal grandmother still seems less disturbed by her daughter´s death than by the fact that her dear little Tony is in trouble. She seems just as mad as the rest of the family.“

Und warum mich das fasziniert? Weil ich gerne Horror lese. Und die Brutstätte des Schrecklichen selten anderswo zu finden ist als im Schoß der Familie. Das wird allerdings nur Außenstehenden klar. Innerhalb der Familie erscheint einem ALLES als normal.

Quellen: Grey Gardens, The Secret Life of the Lonely Doll, Savage Grace.

QUOD ERAT DEMONSTANDUM DIE ZWEITE oder MIT PLUS ACCOUNT KLAR IM VORTEIL

"Schau doch mal bitte - ich kann die XXX-Fotos nicht öffnen."
"Oh. Entwder er hat zierliche Hände oder einen ziemlich Fetten."

Tags darauf.
"Die Hände waren zierlich. Aber Blasen war schon ziemlich eye-popping."

QUOD ERAT DEMONSTRANDUM oder so

DSC00245

Herr Strike identifizierte ja die abgegbildete Dame als vermutlich medikamentenabhängig. Ich hätte einfach auf Piccolosäuferin getippt. Aber dann, mitten in "Meine Straße" fiel sie in Ohnmacht. Zunächst befürchteten wir Schlimmeres. Aber in der Pause konnte sie schon wieder rauchen. Und als ich mein Abschieds-Zucker-Butter-Banner-Foto handygrafierte, da war sie eine willige Zucker-Statistin. Ohne mit der Wimper zu. Und auch sie ist jetzt eine von uns und kann mit uns skandieren - wir warennämlich auch in Zucker und Butter. Und es war ein(letztes)mal mehr surreal entrückend. Danke, Cora.

Und hier sehen Sie, was Sie dummerweise verpasst haben. Schade. Och.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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