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Mittwoch, 2. April 2008

CHARLOTTE ROCH DEN BRATEN

Vielleicht hat Charlotte Roch einfach alles nur richtig gemacht. Die Zeichen der Zeit gelesen und verstanden. Auf der richtigen Installationsvernissage mit dem richtigen Verlagschef Champagner genippt (vielleicht sogar mit ein wenig Smegma hinterm Öhrchen).
"Schreib einen Roman, Charlotte - Du bist doch eine Stimme unserer kaputten Z-Generation, die man auch lesen möchte. Dein Wort soll doch nicht in Spartensendern verhallen und eines Tages vom rauhen Smog der Hauptstadt verweht werden! Schreib einen Roman über hippe, krasse Menschen wie Dich!"

Dann hat sich Charlotte überlegt, wie man alles nocht toppen kann. Wie es funktioniert, mit geschriebenem Wort zu bewegen. Krimis machen dem Leser Angst. Horror bringt sie zum Schaudern, bei Liebesromanen werden sie romantisch, zum Porno holen sie sich einen runter. Aber wer arbeitet schon mit Ekel? Ekel ist neu. Ekel ist toll. Ekel ist das neue Arschloch!

Ehrliche Berichte über Großstadtleben werden ja schon durch diverse Blogger abgedeckt. Auch dort kann man von Kotze lesen, von Abstürzen, von geilem Sex, schalem Sex, von Sekreten an Orten, wo die Natur sie nicht notwendigerweise vorgesehen hat aber gerne duldet. Das ist alles schon da, das polarisiert nicht mehr (denkt sich Charlotte - außerdem "wer liest schon Blogs?", recht hat sie, Blogger lesen Blogs, dem Rest der Welt bleiben sie verschlossen. Wetten, dass auch am Freitag bei der Lesung nur wieder Blogger und beste Freunde und Partner von Bloggern im Publikum sitzen werden?!)

Aber wenn ein Feueilletondarling wie Charlotte "ehrlich" wird, bzw. eklig, dann wird nicht nur die Muschi öffentlich rechtlich, sondern sogar die feuchte, ungewaschene Muschi, die dann eigentlich schon nicht mehr unter den Muschibegriff fällt sondern zur Möse mutiert, bzw. das volle Votzenprogramm verdient. Aber so neu ist das alles nun wirklich nicht. Die (mittlerweile längst) unerträgliche Nick provozierte schon vor Jahren mit dem Plakatieren ihrer unplakativen "Hängetitten Deluxe". Die Teufelsberger mixten (und nicht im übertragenen Sinn) einen Cocktail aus angebratenen Fischstäbchen und diversen Flüssigkeiten und tranken ihn auf offener Bühne. Das Theater der Gegenwart kommt schon längst nicht ohne drastischsten Sex aus. Fahren Sie einfach mal im Winter in Berlin U-Bahn und hören sie den Leuten zu, wie sie ihre Rotze hochziehen und runterschlucken oder auf den Boden spucken. Fragen Sie mal eine Krankenschwester nach ihrem unangenehmsten Patienten. Die ganze eklige Scheiße liegt auf der Straße. Wurde Zeit, dass sie jemand aufhebt und zu Gold macht.

Ich persönlich mag von Literatur bewegt werden. In all den oben genannten Genres. Es darf auch gerne drastisch sein. Eine Spur Ekel gehört im Horror-Genre dazu. Aber unerträglich ist jeder Mangel an Eleganz. Lästig, zäh und anstrengend ist es, wenn ein Autor nur eine einzige Klangfarbe beherrscht. Und wie würde es Ihnen gefallen, wenn Sie den Bestseller des Jahres geschrieben haben und alle hassen ihn? Wenn Sie gut geschrieben drastische Berichte lesen möchten, gehen Sie zu Bomec, zu Airen oder zu NoChocolate. Das würde ich auch Charlotte dringend anraten. Sie kann noch viel lernen. Ein bisschen Glamour. Und Drama, Baby.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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