Mittwoch, 12. März 2008

SELBSTDARSTELLUNGSZWEIFEL

"Geplant sind 90 Minuten reine Lesezeit (+20 Minuten Pause). Es können also eine ganze Menge Autoren lesen" - diese Formulierung macht die Vorstellung nicht attraktiver, am Event teilzunehmen. Ich finde 45 Minuten schon lang für eine Lesung. Dann weiß ich ja auch nicht, wer da außer mir lesen wird. Und ob es ausgerechnet die Masse macht? Mit der Firma, die das Projekt betreibt, habe ich auch so meine Probleme (siehe insbes. die Kommentare). Außerdem habe ich schon so viel Text auf dieser Seite produziert, dass ich schier überfordert bin, eine Auswahl zu treffen. Wer sagt eigentlich, dass, wer schön schreiben kann, automatisch auch ein Vortragskünstler ist? Ich bin es nicht. Ich podcaste ja nicht mal.

Und dann die andere Idee. Mit den Sehr Guten etwas gemeinsam zu veranstalten. Mit meinen Darlings. Von zwei Seiten werde ich gerade freundlichst bedrängt, etwas zu unternehmen, aber so sehr wie ich kein Vortragskünstler bin, bin ich auch kein Selbstpromoter, wenn es über das Schreiben hinausgeht. Und voller Zweifel, momentan, was das Bloggen angeht. Früher las ich Blogs statt Zeitung, heute bin ich in 20 Minuten die Blogroll durch. Die meisten schreiben weniger regelmäßig und alles in allem - weniger. Nicht notwendigerweise schlechter, aber nicht genug, mir die Zeit mit dem Liter Tee zu vertreiben. Gestern hab ich sogar Spreeblick gelesen, so weit ist es gekommen! (War übrigens gar icht so nerdig wie früher.)

Zweifelnd einen Event anzukurbeln feels wrong. Ich hab momentan so einiges zu organisieren, da steht eine Abendveranstaltung mit Kollegen nicht ganz oben auf der Liste. Merke ich gerade. Und dass ich mich nicht gerne auf Bühnen befinde, das ist ja mittlerweile auch bekannt. (Das wird sich auch nicht ändern, außer wenn sie mir den Oscar verleihen. Ja. Wo bleiben eigentlich die Preise??)

Und dann natürlich die Frage - wenn hier so viele Leute mitlesen und sich nicht mal trauen zu kommentieren, würden die denn überhaupt den Arsch hochkriegen und eine Lesung eitler schwuler Blogger besuchen?

WHITE ON WHITE TRANSLUCENT BLACK CAPES oder GO AWAY (AND STAY AWAY)

Wie eitel, anzunehmen, dass es 25 Jahre später noch jemanden interessiert? Aber dann auch noch ein Produkt abzuliefern, das den eigenen Namen, den Nimbus den Ruhm nicht zertrümmert sondern ohne jede große Geste auswischt, das löbliche Werk nahezu ungeschehen macht.

Wenn ihr Name fiel, dann dachte man an die Band und nicht die Architektur-Richtung. Es war ultracool, sie zu lieben. Denn dann zählte man zu den Kennern, den Spezialisten. Sie waren the epitome of the epitome. Unvergleichbar zu ihrer Zeit. Alles was kopistisches nach ihnen kam, (die "Sisters of Mercy" beispielsweise) fiel höchstens unter die Rubrik "niedlich". Als sie 1983 in der Eröffnungssequenz des Vampirdramas "The Hunger" ihr Lied "Bela Lugosi´s Dead" insezenierten und einer breitere Masse bekannt wurden, hatten sie sich bereits aufgelöst. Ihre wenigen Platten allerdings konnte man noch 10, 20 Jahe später anhören und ihren Avantgarde-Status nachvollziehen. Um so schlimmer, dass sich Bauhaus jetzt auf ihrer Comeback-CD "Go away white" nicht einmal selbst kopieren, sondern wie eine Arschloch-Rock-Combo drauf los jammen (allein bei diesen Worten krieg ich Schuppen), in der Hoffnung - ich weiß nicht. Im Zusammenhang mit etwas mattem schwarzdüsterem wie Bauhaus überhaupt den Begriff "Hoffnung" ins Spiel zu bringen. Ja. Vermutlich hatten sie gehofft, es noch einmal zu schaffen. Und auf der nächsten Reunion-Tour mal das eine oder andere neue Lied zu haben, damit man nicht immer "She´s in Parties" spielen muss, wobei das ein schönes Lied ist, das man gar nicht oft genug spielen kann. Wir reden von den Begründern des Goth, den Architekten des Industrial, den intelligenten Nachfahren des Punk. Ach, es ist eine Schande. Und es wäre vermeidbar gewesen.



Ja, dieses Helmut-Newton-Wesen ist Catherine Deneuve und Bowie ist auch dabei. "The Hunger" gibt es seit kurzem wieder auf DVD.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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