Montag, 19. November 2007

A BLAST FROM THE PAST

Die Chance, dass ich an einem solchen Tag ans Telefon gehe, wenn ich eine fremde Nummer sehe - sehr gering. Es sind die sprachlosen Tage des Jahres, wo die allgemeine Kälte auf die individuelle Stimme und Stimmung schlägt. Aber die Vorwahl sah funky aus. Ich kenne niemanden aus der Region, jedenfalls nicht aktuell. Also siegt die Neugier und ich nehme das Gespräch an. Und plaudere eine halbe Stunde mit einem freundlichen Dinsoaurier, einem weiblichen, mit dem ich zuletzt vor fünf oder sechs Jahren zu tun hatte. Sie hat einen Brief von mir von damals gefunden, den ihre Sekretärin falsch abgelegt und den sie erst jetzt gelesen hat. Und wollte einfach mal hören, wie es so aussieht und was ich so mache. Und auch, wenn es ziemlich absurd ist, wer da gerade mit wem spricht, wird es ein nettes Gespräch. Ich lobe ihren ziemlich schlauen Fernseheinsatz im vergangenen Jahr und dann überlegen wir gemeinsam, wie man denn Popularität am Besten einsetzt, wenn man ein ausgeprägtes Ungerechtigkeitsbewusstsein besitzt, aber im (äußerst attraktiv erhaltenen) Körper eines von außen ganz anders wahrgenommenen Menschen eingefangen ist. Sie hat eine Stiftung gegründet. Setzt sich ein. Müsste sie nicht. Macht sie aber. Sie ruft ja auch bei mir an, müsste sie ja auch nicht. Zwischen ihr und mir liegen Welten und ein zwanzigjähriger Altersunterschied. Dann kommen wir thematisch auf ein Land in Südamerika. Es beweist Selbstironie, dass ausgerechnet sie sich Gedanken um dieses bestimmte Land in Südamerika macht und ich erzähle ihr von Georgien und Salomé und sie sagt, dass sie für so einen Fall die Talkshows abwirtschaften würde bis es endlich alle raffen - warum ist die denn nicht nach Österreich oder in die Schweiz erstmal? Die hätte man nicht zurück lassen dürfen!! Und sie sagt das so entschlossen, dass ich mich frage, warum wir nicht alle so gedacht haben. Nur wäre ich vor zwei Wochen niemals auf den Gedanken gekommen, sie diesbezüglich zu kontaktieren, weil ich ja eigentlich nie wirklich mit ihr zu tun hatte.

Sie wird sich melden, wenn sie mal wieder in der Stadt ist und dann gehen wir einen Kaffee trinken. Und ich weiß, das meint sie ernst, denn das letzte Mal, dass sie mich eingeladen hat, telefonierte sie zwei Mal hinterher, um auch wirklich sicher zu gehen, dass ich mich blicken lasse.
"Es war schön von Ihnen zu hören", sage ich und sie sagt
"Schönen Abend Glam, bis bald, ich freu mich!"
Und dann grinsen wir vermutlich beide, sie in Bayern, ich in Berlin, und wissen nicht warum eigentlich. Aber wenn mir jemand erzählt hätte, als ich sechs Jahre alt war, dass es dieses Gespräch je geben würde, dann wäre ich in Ohnmacht gefallen. Überhaupt - ohnmächtig... Um so besser, dass manche Menschen ihre Kraft einsetzen.

Und hier noch ein alter Bekannter über dessen Rückkehr ich mich gefreut habe:

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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