Donnerstag, 8. November 2007

SCHÖNER TRENNEN oder WE´RE A MESS. BUT WE SHIMMER.

Sommer 2004, am Telefon: Krypton, GoGo-Boy und Partymonster, der beste Freund des messy Mitbewohners, der gerade nicht zu Hause ist. Krypton ist ganz aufgeregt, nicht überraschend, hat sein Freund, bei dem er lebt, der seine Rechnungen zahlt und ihm bislang jeden Wunsch erfüllt hat, ihn verlassen. Ich komme kaum mit einem Wort dazwischen, so quellen die Worte aus Krypton heraus.
"Look - G. will be back soon. And I´m here now. Come over if you need to get out."

Eine halbe Stunde später ist Krypton in der Mansion, sein Redefluss immer noch unbremsbar, unterbrochen von Tränen, Schluchzern, sein wunderschönes Gesicht ein Erdbeben. Er bemüht sich, Pläne für die nächste Zukunft zu schmieden, will nicht länger bei seinem frischen Ex bleiben, obwohl dieser ihm das angeboten hat. Stunden später sind meine Rezeptoren völlig zerschossen, aber Kryptons Leid ist immer noch akut, meine Gedanken wandern anderswohin, weil ich einfach nicht mehr zuhören kann, mir fällt der Abend ein, an dem wir alle auf eine Party gegangen sind, ein öffentliche, Krypton trug einen langen schmalen offenstehenden schwarzen Mantel und sonst nichts (außer Stiefeln) und wurde erst eingelassen, als er sich die Unterhose von G. ausgeliehen hatte. Erregung öffentlichen Ärgernisses hate man selten zuvor plastischer und im Sinne des Wortes unverschämter veranschaulicht gesehen, wobei der Akzent auf Erregung liegt, denn Kryptons Körper war noch schöner als sein Gesicht.

Irgendwann kommt mir der rettende Gedanke - da waren doch noch ein paar Es irgendwo. Droegenexperimenten nie abgeneigt akzeptiert K. die Pille und wir machen einen Spaziergang. Als wir am Kanal angekommen sind beginnt die Droge zu kicken. Alles wird warm und weich und wir wanken ein wenig, haken uns ein, um nicht zu stürzen, bekommen den ersten in einer langen Reihe von Lach-Flashes. Unsere Wahrnehmung optimiert, genießen wir den goldig glänzenden Sommertag. Auf dem Rückweg fährt ein langhaariger Skater an uns vorbei, K. rennt ihm nach, bittet ihn, mit in die Mansion zu kommen, der Skater lehnt ab. Ein Nachbar lädt uns ein, zu ihm aufs Dach zu klettern und das scheint eine perfekte Idee zu sein, also klettern wir angstlos und gar nicht lebensmüde und freuen uns, dem Himmel etwas näher zu sein. Als es anfängt zu regnen gehen wir zurück in die Wohnung. G. ist immer noch nicht da.
Ich stehe an der Terrassentür, und spüre K. hinter mir. Dann nimmt er mich hinterrücks in den Arm, sein ganzer Körper presst sich an meinen. Ich hatte an sowas eigentlich nicht gedacht, aber es fühlt sich gut und richtig an und es ist zwar das E, aber es ist auch immer noch das eigene Bewusstsein, nur ein wenig weiter gefasst.
"Glam, I want to dance for you."
Und ich muss lachen, weil es albern ist, bis er anfängt. Seitdem kann ich nicht die erste Scissor Sisters-CD hören, ohne schmutzig zu grinsen. Er tanzt, entledigt sich seiner Kleidung, all das ist richtig, ist heiß, genau so wie es ist, aber irgendwo auch unpassend, wie alles an diesem Tag. We´re a mess, but we shimmer. Und noch tanzend kommen dann unsere Körper zusammen, unsere Münder und alles ist und bleibt in diesem Moment, in dieser Stunde, in der unsere Kleidung durch die Luft segelt, Möbel umgerissen werden, unsere Haut aneinanderreibt. Wir liegen nackt auf dem Bett und blasen uns gegenseitig, als der Mitbewohner in der Tür steht, schockiert schaut und dann in sein Zimmer geht um ungestört messy zu sein. Krypton und Glam - da würde niemand drauf kommen, nicht einmal Krypton und Glam, bis vor ein paar Stunden. Wir schlafen Arm in Arm ein, wachen Arm in Arm auf, kuscheln uns aneinander, ich schaue noch einmal auf den zweitschönsten Ständer, den ich (bisher) zu sehen bekommen habe, und dann muss Krypton arbeiten gehen. Und an der Tür küssen wir uns noch einmal und ich denke, sage es aber nicht, so müsste doch eigentlich jede Trennung anfangen.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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