Donnerstag, 19. April 2007

NACHTRAG ZU GLAM IN LOVE



("Savage" hatten sie nicht bei Youtube. Das Video hatte ich mir damals auf dem Flohmarkt in D. gekauft and it is still one of my most cherished possessions. "Chill in my heart" würde aber auch ohne den Video-Erwerbs-Link passen zu D.D. aus D. Hatte ich schon einmal erwähnt, dass "Savage" zu den herausragendsten Alben der Popgeschichte zählt? Und keinen schert´s außer mir?)

ABER SCHÖN WAR ES DOCH oder GLAM IN LOVE oder SAVAGE

These are my guns
These are my furs
This is my livingroom
You can play with me there sometimes
If you catch me in the mood
Savage, you savage
(Annie Lennox)

Freundin N. holt mich vom Flughafen ab. Sie hat mich zu einem Kurzurlaub in D. gezwungen. In einem schwachen Moment habe ich gesagt, "Nein, ich hab noch nichts vor" und schon hatte sie mir den günstigsten Flieger rausgesucht. Was soll ich jetzt aber an einem Ort, an einem freien Tag, und es gibt gar kein Meer in der Nähe? Eine Stunde später sitze ich mit N. und drei mir noch fremden Jungs auf einem charmanten Balkon, wir trinken Aldi-Prosecco auf Eis und kommentieren die Promis in Gala und Bunte. Wir finden die gleichen Leute blöd und schon sind wir uns nicht mehr fremd. Der Balkon gehört zur Wohnung von D., einem Freund von N. D. ist klein, drahtig und hat eine verschärft hypermodische Frisur, quasi direkt aus Mailand, frisch vom Laufsteg. Von zwei seiner Augen hat keines dieselbe Farbe, aber eines strahlt in dieser Mischung aus Grün und Haselnuss, die einen so hereinzieht. Das andere hat einen blauen Sprenkel. Einen Tag später liegen wir zusammen im Bett, bzw. auf N.´s Gästesofa, das eigentlich viel zu klein ist, was uns überhaupt nicht stört. Damit D. nicht herausfällt halte ich ihn die ganze Nacht fest umarmt. Er verabschiedet sich nach dem Kaffee und kaum fällt die Tür hinter ihm zu, mache ich einen kleinen Freudestanz.
Das nächste Treffen ein paar Stunden später. Oh Gott, wie soll ich mich vehalten, ist ja schließlich heller Tag und ich bin unerprobt in PDA (public displays of affection). Wir laufen über einen Flohmarkt. Mäandern umeinander herum, immer wieder finden sich für ein paar Meter des Weges unsere Hände. Das fühlt sich alles erschreckend gut an, so dass es mir schon fast Angst macht. Er in D. - ich in Berlin, wie soll das gehen? Überhaupt - B e z i e h u ng . . . Aber es ging. Es ging nicht lange, aber es ging. Ich habe wunderschönste Erinnerungen an Nachmittage am Rheinufer, in einem kleinen Garten in E. mit N. und D. und den beiden Freunden in der Hängematte. Wilde Nächte in Berlin. Wie geil sich sein Körper anfühlt. Immer wieder Abschiedsszenen an Flughäfen und Bahnhöfen. Wie er sich ins Licht stellt, damit seine frisch erarbeiteten Muskeln besser zur Geltung kommen und dann selber über sich lachen muss. Seinen Duft. Seinen Geschmack. Diese Phasen von Heimweh, wenn wir iein paar Tage nicht zusammen sind. Meine Geburtstagsparty, seine Geburtstagsparty. Den Eltern vorgestellt werden (Horror!) Wie er in meinem Freundeskreis einschlägt wie eine Bombe und jeder sofort versteht, was mich so zu ihm hinzieht. Lebensfreude. Dann der erste Tag, an dem wir nicht telefonierten. Das Erdbeben in D. Dann der Schluss.

Es ist schon seltsam, dass ich keine Freundschaft zu jemandem aufbauen kann, mit dem ich etwas hatte. Ich möchte D. noch immer nicht als Freund haben. Als Lover/Boyfriend/Partner war er wunderbar. Ein Foto von ihm und mir hängt in Augenhöhe an der Wand vor mir. Juni, wir liegen schlummernd auf dem Bett, Arm in Arm. Ich glaube, ich brauche das Bild, um mir zu beweisen, dass so etwas möglich ist. Für mich. Den Anspruch oder die Erwartung, dass so etwas bleibt, habe ich schon lange nicht mehr. Manche würden sagen, das sei pessimistisch. Ich sage, das ist realistisch. Und freue mich, dass ich mich an der Erinnerung freuen kann, ohne dass sie schmerzt. (Nur ein ganz klein bisschen. Wie sich das eben gehört.)

Inspired by Frau Fragmente und Frau Koma.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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