Montag, 30. Oktober 2006

MALES FROM THE CRYPT oder IT´S A SHAVE

Ich möchte mich heute, auch auf die Gefahr hin, wieder als Ausgrenzer bezichtigt zu werden, mal explizit an meine männlichen Leser wenden. Mit einem Thema, lieber Leser, das dafür sorgen wird, dass Ihr Hodensack sich zusammenkrispelt, um den Eiern die Illusion zu geben, sie können sich zum Schutz vorm Angriff im Körper verstecken. Ein Wort möchte ich nennen, genau genommen sind es zwei, das Ihnen den Schweiß auf die Stirn zaubert und Ihre Knöchel zwanghaft auf Holz klopfen lässt. Und hier kommt es, das böse Wort - KREISRUNDER HAARAUSFALL. Und ich gestehe. Auch ich bin ein Opfer KREISRUNDEN HAARAUSFALLS, was ich auf den augenblicklichen Nervenstress in meinem Leben zurückführe.
Gestern war der rabenschwarze Tag gekommen, an dem ich vorm Spiegel stand. Erst ungläubig blinzelte, dann mit meinem Fingern die nackte Haut betastete, auf der gestern noch Haare wuchsen. Erinnern sie sich noch an 5-Mark-Stücke? Eben diese Größe.
"Das kann doch nicht sein. Das kann doch nicht MIR passieren! Ausgerechnet. What have I done to deserve THIS?!!!"
Während sich mein Atem beschleunigte und mein Herz (vermutlich von den Eiern angekickt) im Hals schlug, begann der klassische Prozess des Akzeptierens:
1. Leugnen
2. Rebellieren
3. Hinterfragen
4. Hinnehmen
Doch das wäre eine Akzeptanz ohne jeden Glamour. Also tat ich, was zu tun war. Rasierschaum. Meine gnadenlose Mach3-Klinge. Und dann -Kahlschlag. Es dauerte eine Weile, bis ich mich daran gewöhnt hatte. Mit zunächst zittrigen Fingern strich ich über die glatte, nackte Haut. Ein Frösteln überkam mich. Es fühlte sich gut an. Es sah auch gar nicht schlecht aus. In jedem Fall besser als vorher, mit dem Loch drin. Und wer, lieber Leser, so möchte ich sie fragen, wer braucht auch schon Brustbehaarung? Die stört doch nur beim eincremen!

MOVIES FROM HELL: STEVEN SPIELBERG´S "LYNCHEN"

Ich hatte gehofft, wes würde nie wieder so weit kommen müssen, aber es ist geschehen. Ich habe mal wieder einen wirklich schlechten Film gesehen. Und daher rufe ich das Kapitel "Movies from Hell" zurück ins Leben.
Ich WUSSTE nichts über die Handlung. Ich las Spielberg, 150 Minuten, dann fiel mir ein, dass Meret Becker mitspielt und ich dachte, das wäre genau das richtige für einen grippigen Nachmittag. Böser Fehler. Ich dachte also, ich hätte mir einen Film über die Geiselnahme im Olympiadorf, München 1972 ausgeliehen. Falsch. In Spielbergs "München" geht es um einen attraktiven sympathischen Familienvater, dargestellt von dem reizenden verführerisch melancholischen Eric Bana, der von der reizenden Golda Meir (bei der es sich in Wirklichkeit um Mirandas Haushaltshilfe Magda aus "Sex and the City" handelte) überzeugt wird, die Drahtzieher des Attentats aus dem Weg zu räumen. In der Funktion eines Auftragskillers für das Gelobte Land. Er bekommt drei Agenten zur Seite gestellt: einen Schweizer Uhrmacher, den neuen James Bond, Roberto Benigni (oder wie diese schreckliche Knallcharge heißt) und einen deutschen Seriendarsteller. Zu viert nieten sie einen nach dem anderen um. Prinzip "neun kleine Palästinänser". Auch die Auftragskiller müssen Federn lassen, um die Handlung anzureichern. 150 Minuten später wird auch so etwas wie Reue inszeniert, oder doch zumindest das Gefühl vermittelt, dass der attraktive Eric Bana möglicherweise einen halben Gedanken daran verschwendet, ob er rechtens hinrichtete.

Dann ist der Film vorbei und man fragt sich, ob irgendjemand außer Spielberg so ein Machwerk finanziert bekommen hätte. Vergleichbares hätte höchstens Tom Cruise für Scientology gelingen können, aber vor seinem Rausschmiss. Die Frage der Todesstrafe wird nicht einmal gestellt, was natürlich okay ist, wenn man "Schindlers Liste" gedreht hat und "The Coloured People". Selbstjustiz, Verschwörung, Todesstrafe, Terrorismus - ein Themenkreis, den Spielberg wertbefreit in aasig-polierten Bildern serviert, keine Sekunde in Frage stellend, ob es rechtens ist, was das Killerkommando da tut.
Ein Szenenbeispiel: die schlauen Killer haben eine Telefonbombe gebastelt, die im Arbeitszimmer eines der Terroristen steht. Nimmt er ab, wird die Fernbedienung geschaltet. Doch dann kommt überraschend seine putzige Tochter ins Apartment, hört es klingeln, hoppla, denkt man - da fliegt gleich ein Kind in die Luft. Doch die smarten Attentäter sind nicht auf den Kopf gefallen und rufen zu einem späteren Zeitpunkt nochmal an, als das Kind (in naher Zukunft Waisenkind) nicht mehr im Haus ist. Menschlich, oder? Alle (insbesondere auch die Zuschauer) sind furchtbar erleichtert, dass es nicht das Kind getroffen hat, sonder nur dessen Vater.

Wenn ich mal ganz ganz ehrlich mit mir selbst bin, dann muss ich gestehen, dass ich Selbstjustiz nachvollziehen kann. Mitunter sogar befürworten. Aber wenn der edle Gutmensch Steven Spielberg seinen Mantel des Segens darüber legt, in Gestalt eines noch dazu nicht besonders gut inszenierten Films, dann muss ich leider kotzen. Das wäre ein Film nach George Bushs Geschmack, wenn es nicht dauernd um Juden ginge. Und wenn ich das nächste Mal drei Minuten Meret Becker sehen will, dann leih ich mir lieber einen Film mit Tuva Novotny.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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