Dienstag, 8. August 2006

A BLOGGER´S NERVKRAM

Und wo ich eigentlich den Abend luxuriös mit einem Glas Rotwein Blogs lesen wollte, musste ich mich mit meinem Faxgerät herumärgern. Und der in 40facher Ausfertigung gefaxten Formulierung einer Unterlassungsklage. Wobei mich die Tatsache mehr nervt, dass diese Unterlassungsklagenformulierung in 40facher Ausfertigung gefaxt wurde, als die Klageformulierung selbst. Denn die ist substanzarm. Terror nenn ich das.

FRAG NACH BEI "ALL ABOUT EVE"

"It is about time the piano realized it has not written the concerto."

WE ARE GLAMILY

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DANN WIEDER UND WIEDER DER GEDANKE...

...das ganze Ding zu canceln. Überprüfen ob aus Angst, Trotz oder weil die Arbeit mir über den Kopf wächst.

GLAMS TANTE ELLI

Am Samstag das erste Mal in 38 Jahren Tante Elli beim Abschied umarmt. Tante Elli ist eine Nenn-Tante, eine Freundin meiner Mutter. Bis zu ihrem 60. Lebensjahr war sie auch die Konditoreifachverkäuferin und Bäckersgattin im Dorfe meiner Kindheit. Außerdem die schönste Blondine vor Ort, Zigarettenraucherin und sehr sehr freundlich. Tatsächlich war sie diejenige, die Kleinglam das erste Mal mit "Na mein Stern, was darf es sein?" begrüßte und mir mehr als einmal die Woche ein Milchhörnchen spendierte, weil ich ein hübsches, artiges Kind war. Tante Elli hatte drei sehr hübsche Kinder. Katrin war die beste Freundin meiner Schwester. Christoph war mein bester Freund und dann gab es noch einen älteren Bruder, dessen Namen ich vergessen habe und der vielleicht der attraktivste der 3 war und sehr rebellsich, weshalb er selten erwähnt wurde. Eleganz und Attraktivität waren Tante Elli immer wichtig. So kündigte sie einer Konditoreifachverkäuferin, weil diese immer dicker wurde. Als ihr Sohn Christoph einen Fahrradunfall hatte (so richtig mit halbem Gesicht auf der Straße lassend) wannte sie sich weinend an meine Mutter "Was, wenn das nicht verteilt - ich kann ihn nicht im Krankenhaus besuchen, ich kann nicht in ein zerstörtes Gesicht schauen. Stell dir vor, der wird entstellt sein! Ich kann solche Gesichter nicht ertragen. Ich kann keine hässlichen Menschen sehen."

Tate Elli raucht nicht mehr, hat jetzt gesträhntes Haar, trägt Chanel-Nachahmungskostüme und eine kesse Brille. Sie ist immer noch sorgfältig zurechtgemacht aber hört nicht mehr gut. Das ist nicht verkehrt, denn ihr Mann labert nur Scheiße. Tante Elli redet über Blumengeschenke, Stadtreisen, Geburtstagsfeiern und Freizeitsport. Es gibt viele viele Themen, die mit ihrer eigenen Familie zu tun haben (und mich sprichwörtlich tangieren aber grundsätzlich nichts angehen und deshalb unerwähnt bleiben sollen), über die sie nie sprechen würde. Weil Ästhetik ihr höchster Wertmaßstab ist, wird das Hässliche totgeschwiegen. Und da gab es viel Hässliches. Es sind mir in meinem Leben noch viele Tante Ellis begenet, die ich für ihre Schönheit und ihre Freundlichkeit bewunderte. Und die irgendwann in ihrer Substanzlosigkeit nehzu uninteressant wurden, sogar noch bevor ihre hübschen Hüllen den Zenith überschritten hatten. Deren Hüllen fielen und ein kleines Häufchen selbstverachtenden verkrumpelten Selbsts freigaben. Vielleicht liegt es aber einfach daran, dass Freizeitsport bei mir nur selten Thema ist. Und auch ich zwar von Hüllen leicht zu blenden bin, aber nicht dauerhaft, und dass ich auf die Füllung mehr Wert lege. Es hat lange gedauert, ja. Am Samstag also, fand ich Tante Elli optisch einwandfrei aber ansonsten so richtig Scheiße. Wenn sie redete, dann hörte ich nur die Geschichten, die sie ausließ. Ich dachte an ihre Kinder, die unter dem absurden Attraktivitätsideal der Mutter zu leiden hatten und haben. Und daran, dass sie sich das selbst nie eingestehen kann. Und da musste ich sie in den Arm nehmen.

Apropos Füllung: Bei Kindergeburtstagen brachte Christoph als Geschenk immer gefüllte Pfannkuchen mit. In einem davon war ein 50-Pfennig-Stück versteckt. Das fand IMMER er. Und fand das nicht einmal ungerecht!

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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