GLAM´S FUCKED UP FAMILY
Sie war 23, unverheiratet, er zierte sich noch, seine Eltern erwarteten etwas anderes von ihm als eine Polackin. Sie waren schon über ein Jahr zusammen, als eines Winters sie auf spiegelglattem Eis ausrutschte, sie riss ihn mit hinab, er fiel auf sie, zerquetschte ihr Bein. Trümmerbruch. Ein dreiviertel Jahr lag sie im Krankenhaus. Danach musste er sie ja wohl heiraten. Sie war wunderschön und schwanger. Er ihre Chance auf ein Leben im Reinen, eine ORDENTLICHE FAMILIE, ohne die fünf Schwestern (zwei von ihnen dumm, eine verschlagen), den prügelnden Vater, die hilflose Mutter. Keine Flucht mehr. Und wenn sie sich damals vielleicht nicht geliebt haben, sie lieben sich heute. Sie können ohne einander nicht sein.
Sie hat den Krebs besiegt, hat die Schwiegereltern, die sie nicht mochten, mit denen sie unter einem Dach leben musste, sterben sehen. Immer anmutig, nie hassend. Sie kann nicht in den Spiegel schauen, wenn sie nackt ist - die Mastektomie... sie kann manchmal nicht in den Spiegel schauen, wenn sie an ihre Kinder denkt, aber man redet nicht darüber. Sie liebt ihre Kinder. Ihn mehr als sie. Und weil da so viel Liebe ist, lernt er nicht, auf Hass zu reagieren. Hass ist ihm fremd. Da sind immer Frauen um ihn rum - Mutter, die Tanten, die Omas, die ihn vergöttern. Und als die Jagd auf ihn eröffnet ist, Jungs unter Jungs, steht er da - völlig hypnotisiert.
"Sag mal - hatte ich eine nenenswerte Trotzphase?"
"Nein, Du warst ein ganz liebes Kind."
Meine Mutter hatte im Haus meins Vaters eine beschissene Zeit, so von ihrem 24 bis zu ihrem 44. Lebensjahr, bis endlich die Schwiegergeneration ausradiert war. Mein "Oppa" trank morgendlich einen Korn vor der Arbeit, meine "Omma" war die gefühlskälteste Großmutter nach Joan Crawford, die liebe Schwester meines Oppas stieg nachts in mein Kinderbett und spielte an mir rum als ich sechs Jahre alt war und noch einige weitere Jahre lang - für mich war das normal. Wir waren ja eine normale Familie. Eine ordentliche Familie. Nicht wie die anderen, wo es Scheidungen gab und so.
Als Bärbel Schäfer aufkam, denkt nicht ich war überrascht. Kannte ich ja alles. Das war ja alles gutbürgerlich. Und als ich vor ungefähr einem Jahr meine Eltern mit meinen Kindheitserlebnissen (insbesondere denen mit der Tante) konfrontierte, explodierte die Glam-Familie mal eben ganz furios in Schock. Schwere. Not. Seitdem sind sie sehr supportive. Understanding. Nicht, dass wir über das Thema reden, dafür habe ich ja professionelle Hilfe. Und KateseiDank eine gute Therapeutin. But believe me - it fucks with your brain wenn Du sowas erlebt hast. Und da kannst Du über 30 sein und stellst plötzlich fest, dass Dein Gefühlsleben mit 6 Jahren vergewaltigt wurde und es immer noch Spätfolgen gibt. Und ich schreibe das nicht für Mitleid, sondern - weil es mir besser geht. Weil ich eine verdammt gute Therapeutin habe und langsam wieder Land in Sicht. Hätte ich nie gedacht - Therapie, dass das was bringt. Aber es klappt.
So I knock at the door, take a step that is new
Never been here before
Is there anyone else who´s too
In love with beauty
Playing all of the games
And think three´s company
Is there anyone else who has slightly mysterious bruises?
(Rufus W.)
Sie hat den Krebs besiegt, hat die Schwiegereltern, die sie nicht mochten, mit denen sie unter einem Dach leben musste, sterben sehen. Immer anmutig, nie hassend. Sie kann nicht in den Spiegel schauen, wenn sie nackt ist - die Mastektomie... sie kann manchmal nicht in den Spiegel schauen, wenn sie an ihre Kinder denkt, aber man redet nicht darüber. Sie liebt ihre Kinder. Ihn mehr als sie. Und weil da so viel Liebe ist, lernt er nicht, auf Hass zu reagieren. Hass ist ihm fremd. Da sind immer Frauen um ihn rum - Mutter, die Tanten, die Omas, die ihn vergöttern. Und als die Jagd auf ihn eröffnet ist, Jungs unter Jungs, steht er da - völlig hypnotisiert.
"Sag mal - hatte ich eine nenenswerte Trotzphase?"
"Nein, Du warst ein ganz liebes Kind."
Meine Mutter hatte im Haus meins Vaters eine beschissene Zeit, so von ihrem 24 bis zu ihrem 44. Lebensjahr, bis endlich die Schwiegergeneration ausradiert war. Mein "Oppa" trank morgendlich einen Korn vor der Arbeit, meine "Omma" war die gefühlskälteste Großmutter nach Joan Crawford, die liebe Schwester meines Oppas stieg nachts in mein Kinderbett und spielte an mir rum als ich sechs Jahre alt war und noch einige weitere Jahre lang - für mich war das normal. Wir waren ja eine normale Familie. Eine ordentliche Familie. Nicht wie die anderen, wo es Scheidungen gab und so.
Als Bärbel Schäfer aufkam, denkt nicht ich war überrascht. Kannte ich ja alles. Das war ja alles gutbürgerlich. Und als ich vor ungefähr einem Jahr meine Eltern mit meinen Kindheitserlebnissen (insbesondere denen mit der Tante) konfrontierte, explodierte die Glam-Familie mal eben ganz furios in Schock. Schwere. Not. Seitdem sind sie sehr supportive. Understanding. Nicht, dass wir über das Thema reden, dafür habe ich ja professionelle Hilfe. Und KateseiDank eine gute Therapeutin. But believe me - it fucks with your brain wenn Du sowas erlebt hast. Und da kannst Du über 30 sein und stellst plötzlich fest, dass Dein Gefühlsleben mit 6 Jahren vergewaltigt wurde und es immer noch Spätfolgen gibt. Und ich schreibe das nicht für Mitleid, sondern - weil es mir besser geht. Weil ich eine verdammt gute Therapeutin habe und langsam wieder Land in Sicht. Hätte ich nie gedacht - Therapie, dass das was bringt. Aber es klappt.
So I knock at the door, take a step that is new
Never been here before
Is there anyone else who´s too
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And think three´s company
Is there anyone else who has slightly mysterious bruises?
(Rufus W.)
glamourdick - 9. Mrz, 23:21

