Montag, 23. Januar 2006

GLAM LEGT ZÜGIG NACH: THE TROUBLE WITH ANDRÉ, Teil 3

Hatte ich erwähnt, dass André sich bemühte, den nie vollendeten Homo-Perverso-Poppende-Geschwister-ziehen-Callboy-die-Haut-bei-lebendigem-Leib-ab-Kunstfilm „Deed Poll“ mit eigenen Mitteln fertig zu stellen, nachdem ein amerikanisches Filminstitut im Internet darauf aufmerksam geworden war und Interesse an einer Kopie bekundet hatte? Orlando Bloom, der behauptete, nie an dem Projekt beteiligt gewesen zu sein (er hatte gerade für Disney die Karibik-Piraten abgedreht), käme für das Remake nicht in Frage, aber André verfügte ja über vielfältige Kontakte. Und Kontakte mit Kontakten.
Ein anderes Ereignis, dem Herr André und Herr Dick gemeinsam entgegenfieberten war die Premiere seines garantierten-Durchbruch-Films „Lullaby of Clubland“. Die BBC-Produktion war zunächst in den Giftschränken des Senders gelandet. Journalisten, die bei einer Probevorführung Gelegenheit gehabt hatten, sich das umstrittene Werk anzuschauen, lobten Andrés Darbietung über den grünen Klee, begwerteten den Film jedoch als üble Katastrophe. Trotzdem rankten sich Gerüchte fast mythischen Ausmaßes um die Produktion. Im Internet erfuhr Herr Dick, dass Regisseur, Kameramann und ein dritter Beteiligter sich nach Abschluss der Produktion das Leben genommen hatten.
Als der Sommer 2003, der in jeder Form zu übertreiben wusste, plötzlich unerträglich heiß und stickig geworden war, reiste Herr André nach London. Proben für das neue Programm, das im September Premiere haben sollte.
Statt dreimal täglich treffen, schrieben Herr Dick und Herr André sich nun dreimal täglich Emails. Mindestens. Bis die verhängnisvolle Mail kam, in der...

To be continued.

THE TROUBLE WITH ANDRÉ, Teil 2

Von der ersten Begegnung an verging in den folgenden Wochen kein Tag, an dem sich Herr Dick und Herr André nicht sahen. Am frühen Nachmittag besuchte André Herrn Dick im Büro und brachte Kuchen mit. Die Abende saßen die beiden auf Dickies Terrasse und lauschten der zart-enervierenden Stimme der von André verehrten Tori Amos. Die Wochenenden planschten sie im Schlachtensee. Wäre da Sex gewesen – bonjour perfection. Nun ist der Herr Dick ein ausgeprägt sexuell interessiertes Wesen und psychologisch nicht ganz ungeschult. Und konnte es einerseits verstehen, dass jemand, der vergewaltigt wurde, ein zwiespältiges Verhältnis zur Sexualität hat, doch andererseits war er gerade dabei sich zu verlieben und ohne Sex verliebt zu sein ist schon mit 14 Jahren inakzeptabel.
Mit der Verliebtheit entwickelte sich ein ungeahnt ausprägefähiger Beschützerinstinkt (immerhin war André auch gut zehn Jahre jünger als Herr Dick).
„Aber ich bin doch kein Vergewaltiger – ich will LIEBE mit Dir machen.“
Ein trauriger Blick aus feuchten grünen Augen.
„Ich habe ein Theaterangebot aus England.“

Hatte ich erwähnt, dass André ein fantastischer Autor war? Wenn er nicht mit Herrn Dick Kuchen aß oder neben ihm schlief, dann saß er an seinem Computer und schrieb Kurzgeschichten. Pointierte, brutale, Hardcore-Stories. Die dritte Beschäftigung neben Dickie und Schreiben war die Pflege seines Fan-Forums im Internet. Von allen Prominenten, die Herr Dick bis dato kennen gelernt hatte, war André derjenige, der sich am rührigsten mit seinen Fans auseinandersetzte. Gerade in diesem Sommer hatte sein Forum großen Zulauf erhalten, als sich heraus gestellt hatte, dass André in einem künstlerisch anspruchsvollen Kurzfilm mit Orlando Bloom mitgewirkt hatte, in dem es einige Homosex-Szenen gegeben hatte. Darüber hinaus hatten die beiden eine Zeit lang einen gemeinsamen Flat in London bewohnt. Der Hype um Orlando begünstigte den Internet-Hype um André, zunächst hauptsächlich in England, aber in der deutschen Comedy-Szene kannte sich ja Herr Dick aus und so war ein Gig im Quatsch Comedy Club für den Spätherbst schnell arrangiert.
Und so hoffte Herr Dick, dass mit der Zeit die unendliche Trauer aus Andrés Blick verschwinden und dessen Hose sich endlich für ihn öffnen würde. Er tat schließlich, was er konnte.

To be continued

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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