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Freitag, 2. Dezember 2005

GLAM IN DER GEISTERBAHN

"Und dann schreibst du das und wir veröffentlichen es unter Pseudonym und der XYZ-Verlag ist schon interessiert. Ich hab mit denen geredet und die wollen es aus einer anderen Persepktive als Du, aber grundsätzlich sind sie interessiert."

Ein Auftrag. Er sollte sich freuen. Und tut es nicht. Ein Buch, das nur dazu dienen soll, die "Autorin" in die Medien zu bringen. Eigentlich wäre völlig egal was darin steht, die Kampagne beruht auf der pünktlich zur Buchmesse 2007 geplanten überraschenden Aufdeckung des Pseudonyms. "Susann Mühlmann" ist in Wirklichkeit "Jennifer Blush" (Name vom Blogeur geändert). Dann kommen die einschlägigen Teams von Taff, Blitz, Exclu und Explo, zwei Wochen lang ist das Buch im Fernsehen zu sehen und kaufen wird es doch keiner, wer will schon ein Buch über, sagen wir, Tierschutz "von" "Jennifer Blush". Aber die Medienfigur "Jennifer Blush" hätte weitere zwei wichtige Wochen im Rampenlicht. Und so häufig, wie einem im Fernsehen das Buch um die Ohren geknallt werden würde, da müsste man ja davon ausgehen, dass es ein Riesenerfolg ist. Und welcher Journalist macht sich schon noch die Mühe, die Amazon-Charts zu studieren?
Das Honorar wäre mittelprächtig, die Recherche- und Schreibarbeit intensiv. Blöderweise hat selbst GhostDick noch einen Qualitätsanspruch an das abzugebende Werk. Das nächste dreiviertel Jahr würde asozial werden, außer Anrufen von "Jennnifer Blush" zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Die Verlockung, den Dispo endlich wieder aufzufüllen ist da. Und zum alten, recht ehrwürdigen Verlagshaus zurück zu kehren, wäre auch nicht verkehrt. Aber Jahre später, immer noch als Ghost? Die Vorstellung ist zu gespenstisch. Die Therapeutin rät, auf das Bauchgefühl zu vertrauen. Sie kennt aber auch die ganzen persönlichen Verstrickungen von "Jennifer" und GD. Und dass das ehrwürdige Verlagshaus noch GDs Schauerroman "Ashby House" auf dem Lektoratsschreibtisch zu liegen hat, seit nur mehr sieben Monaten, macht ihm die Entscheidungsfindung leicht.

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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