Mittwoch, 16. Mai 2012

INSIDONOUS

Am ersten und zweiten Tag auf Medikament die Schlüsselsituationen getestet. In Schlangen gestanden, und der Verstand warnt mich, es könne gleich wieder geschehen. Ist es dann aber nicht. Der Körper hat sich verhalten wie ein ganz normaler, die Erwartung einer Angst-Situation hatte auch nicht Petra-Niveau, sondern war ein ganz klares Verstands-Dings: weil ich es in den letzten Wochen so gewohnt war, erwarte ich Angstsymprome oder eine volle Attacke. Das fiese Gefühl, das diese Erwartungs/Befürchtungshaltung sonst begleitet, ist nicht aufgekommen. Sie haben keine Ahnung wie blöd ich mir vorkomme, das nicht früher in Angriff genommen zu haben. Unangenehme Nebenwirkungen sind bislang auch nicht zu verzeichnen. Kann sein, dass ich mehr Appetit habe und auf´s Gewicht achten muss, aber keine Übelkeit und die Libido intakt. Ich nehme morgens und nachmittags 5 Tropfen, abends nichts, da ich abends so gut wie nie Angstanfälle habe. Heute erster Checkup bei der Ärztin, nächsten Montag schon wieder - habe vergessen, warum.

Die Slashers habe ich in die Bredouille gebracht, die vonnöten ist, das große Finale anzugehen. Die Figur, die diese Bredouille auslöst, habe ich mit Jessica Lange besetzt, und in der Szene spielt sie eine kleine Bette-Davis-Nummer, die mir großen Spaß gemacht hat. Dabei fiel mir auf, dass genau das der Moment ist, wo die Figuren übernehmen - wenn man sie in der Szene vor sich sieht und draufschaut, wie sie sich verhalten. Deren Aktionen scheinen den eigenen Gedanken vorauszugehen. Quite magic. Himmelfahrt scheint ein guter Tag dafür, den Showdown anzugehen.

Trailer von "666 Park Avenue" angeschaut und sehr enttäuscht trotz Dave Annable ("Brothers and Sisters"´s Justin). "666" ist die neue Horror-Show von ABC, sieht aber nach CW aus. Nach "American Horror Story" ist es schwer, im TV-Horror-Bereich zu punkten, hier ist es ganz klar nicht gelungen. Dakota Housewives statt "Rosemary´s Baby".

Dienstag, 15. Mai 2012

ANONYMALIE

Ich komme bei der Urheberrechts-"Diskussion" nicht mehr mit. Die Aggressivität, mit der "Anonymous" mittlerweile vorgeht, um gratis an alles zu kommen, was irgendjemand erarbeitet hat, bezahlt oder unbezahlt, ist ekelerregend. Warum schreibt "Anonymous" nicht mal ein schönes Buch, einen schönen Film, ein Album? Mit allem, was dazu gehört: Talent, Inspiration, Wissen, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Herzblut, Idealismus und Wagemut? Und stellt das dann nach einem oder zwei Jahren Arbeit gratis ins Netz. Und freut sich an der Geiz-ist-geil-Mentalität der Downloader. (Würde natürlich keine Sau interessieren, da keine Verwertungsgesellschaft das tut, wofür die bezahlt wird - Promo - und so ein Produkt gar nicht wahrgenommen werden würde.) Ich habe auch nie die "Fans" verstanden, die bei Konzerten am Merchandise-Stand die CDs aus den Ansichts-Exemplaren haben mitgehen lassen. Was sind das für Fans, die ihre eigenen Lieblingskünstler bescheißen? Das nächste wird sein, dass sie für einen geklauten Download ihr Geld zurück verlangen, wenn der Film ihnen nicht gefallen hat. Das ist keine Diskussion mehr, weil man mit Irren nicht diskutieren kann.

Indeed diskutierbar: wenn Produzenten ihre Inhalte schneller verfügbar machen würden, hätten Konsumenten die Chance, das Produkt legal zu bekommen (früher sagte man "kaufen"). Je früher es legal online ist, desto einfach reproduzierbar für Anonyme Weiterverbreiter natürlich auch...

NIX ist für umsomst. Sogar sterben kostet. Wer eine Welt will, in der es alles gratis gibt, was er/sie will, soll auch damit rechnen, dass ich in dieser Welt zu ihm/ihr nach Hause komme, ihm oder ihr die Klamotten vom Leib reiße, den Kühlschrank leerfresse und mir Extensions von den Haaren auf seinem/ihrem Kopp mache. Ich schreibe dann aber auch eine Quittung und signiere.

Montag, 14. Mai 2012

GLAM - JETZT AUCH MIT PSYCHOPHARMAKA!

Halbe Stunde Wartezeit so schrecklich wie eh und je. Die Frau, die neben mir sitzt, atmet durch den Mund und gibt ständig irgendwelche Geräusche von sich, die auf tiefe Ekstase oder noch tiefere Agonie schließen lassen. Alle paar Minuten steht sie auf und geht und holt sich eine Zeitung, einen Becher Wasser, legt die Zeitung zurück, holt sich eine neue usw. Ich hasse sie.
Ärztin 1 erlöst mich, ich erkläre, sie gibt sich geschlagen, weil sie erst zwei Monate in der Praxis ist. Sie möchte gern die Meinung der anderen Ärztin. Zurück ins Wartezimmer, ich darf aber in der Warteschleife vor den Behandlungsräumen sitzen, wo ich allein bin. Noch eine viertel Stunde, dann kommt Ärztin 2. Hört sich alles nochmal an. Schlägt ein Medikament vor, das sich erstmal krass anhört, aber immerhin kein Benzo. Aber etwas, das man bei Bedarf nehmen kann - ich muss mich also nicht auch noch am Abend zudröhnen, abends habe ich ja die Ängste nicht. Wenn ich schon mal hier bin - Blutabnahme und EKG. Die Arzthelferin hat etwas Babuschkaeskes, ist zauberhaft und Wainwright-Fan. Dann wirft Ärztin 2 noch einen Blick auf das EKG und schreibt eine Überweisung zum Kardiologen. Nichts wahnsinnig akutes, aber besser, jemand hat mal ein Auge drauf. Meine letzte sorgfältige ärztliche Untersuchung ist über sieben Jahre her. Ich bin ganz froh, den Schritt gemacht zu haben. Nächster Termin Mittwoch und dann schon wieder nächsten Montag. Dieser Artikel ist übrigens auf Insidon verfasst. Geht also.

12., 13., 14.5.12

Der Samstag ganz reizend mit Ex-Roomie und dessem charmanten bald-darf-man-wohl-sagen-boyfriend. Sonntag kalt und langweilig und übellaunig. Versucht, zu schreiben, aber der Text kann ja nix dafür, es also sein gelassen. Die Heizung wieder angestellt. Im MAI. Gute Filme geschaut, aber für schlecht befunden.

Heute um halb 8 von ohrenbetäubendem Vogelgezwitscher aufgewacht. Die Laune etwas besser nach der Mail eines nudistischen Freundes, der es sich gut gehen lässt. Nachher werde ich einen Versuch Wartezimmer unternehmen.

Samstag, 12. Mai 2012

WRITE YOUR HEART OUT

In der Therapiesitzung merke ich, dass die Stimmung immer nach oben geht, wenn wir übers Schreiben reden. Ich würde ihr gern erzählen, welche Figuren in der Fortsetzung gerade was machen, aber sie ist noch nicht durch mit Teil 1 und ich will ihr das Finale nicht vorwegnehmen. Nach dem disziplinierten Winterschreiben, wo ich fast die ganze Zeit fünf Tage in der Woche am Text saß, bin ich jetzt in einer Phase, wo das Schreiben Luxuszeit ist. Das Finale entwickelt sich noch in mir, jeder Schritt dahin ist sehr vorsichtig platziert.
Die Stimmung ist komplett anders als in "Ashby House", was an der Grundsituation der Protagonisten liegt, aber auch daran, dass es einen leichten Genre-Wechsel gibt. Es ist kein Kammer-Stück mehr. Die Slashers sind jetzt draußen in der Welt. Und fühlen sich dort quicklebendig, abgesehen von einigen Petitessen und Malaisen, aber das wird schon.

Freitag, 11. Mai 2012

FUCKED

"Guten Tag, ich würde gern einen Termin bei Dr. F. machen."
"Das geht leider nicht, Dr. F. ist erst wieder ab 21. Mai wieder da. Der früheste Termin wäre der 5. Juni."
"Dann bei Dr. M.?"
"Die vergibt keine Termine, da kommen Sie einfach so vorbei und bringen Wartezeit mit."
"Das ist einer der Gründe, warum ich einen Arzt brauche - ich kann es in Wartezimmern nicht aushalten."

Donnerstag, 10. Mai 2012

GLAM, BIBLISCH

Recherchen führten mich an unsere kulturelle Wurzel. Wie immer, wenn das passiert - sehr sehr selten - frage ich mich, ob außer mir noch niemandem aufgefallen ist, dass Altes und Neues Testament irgendwie keineswegs zusammenpassen. Die haben in der Fortsetzung wirklich nur die eine Storyline übernommen. Der Erlöser wird kommen. Und in Teil 2 ist er da. Der hätte es soviel einfacher gehabt, wenn er ein bisschen Brimborium-Treatment á la Altes Testament bekommen hätte. Sechsflügelige Seraphim um ihn herum, die nonstop "Hallelujah" singen. Dennoch. Das Erscheinen, Verschwinden und Wiederkehren-Muster hat sich kulturell tief eingeprägt, ich weiß das, weil ich auch gerade ein Sequel verfasse, das ähnlich operiert.

Wo ich schon bei den Seraphim war, wollte ich auch wissen, was es mit den Cherubim auf sich hat. Und was sucht eigentlich die Putte in der Kunst? Wo flog sie her, was macht sie da überall und was will sie uns sagen? Nachdem ich diese Fragen beantwortet fand, konnte ich meine Recherchen für den Tag abschließen und fand mich am Abend einer Echtleben-Putte gegenüber. Im Kreise von Kitty Koma, Strike, dem J. und Mlle Modeste konnte ich einmal mehr das Kind F. bestaunen, das eine enorme Zufriedenheit und Zuversicht ausstrahlt und mit dieser Ausstrahlung auf seine Umgebung abfärbt. Baby gucken ist das neue "Dancing Queen" singen.

Dienstag, 8. Mai 2012

ANLASS: RIGOROS IM METROPOL

Tell me the truth

"It has been said, by someone far wiser than myself, that nobody is boring who is willing to tell the truth about himself. To narrow this down further, someone equally wise said that the things that make us ashamed are also the things that make us interesting." Douglas Coupland, "Eleanor Rigby".

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